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(Bilder: An der Friedhofsmauer des Campo Santo Teutonico – Rom – sind die 14 Stationen des Kreuzwegs auf Kacheln gemalt zu sehen. Fotos: Paul Badde)

Joseph von Arimathäa ist einer aus jener Handvoll Menschen, denen in der Begegnung mit dem „historischen Jesus“ eine kurze, aber einzigartige und unwiederholbare Aufgabe zukam.

Er gehörte zu denen, die Jesus gefolgt waren, oder sich ihm zumindest nahe fühlten. Vielleicht hatte er sich nicht deutlicher zu ihm bekennen wollen, weil es ihn sozial isoliert hätte. Er war schließlich ein wohlhabender und angesehener Mann, der sicher ein gewisses gesellschaftliches Risiko auf sich nahm, als er Pilatus bat, den Leichnam Jesu bergen zu dürfen. Darin immerhin zeigte er Größe und Mut. Sich um einen Hingerichteten zu kümmern, der als Verbrecher rechtskräftig verurteilt war? Wie passt denn das zur hohen gesellschaftlichen Stellung des Mannes? Vielleicht tat es ihm leid, nichts getan zu haben, nichts vermocht zu haben, als Jesus vor Gericht stand. Ähnlich wie die Jünger aus dem engsten Kreis fürchtete er sich sicher, in den Prozess hineingezogen zu werden, oder den Zorn des Mobs auf sich zu ziehen. Die pietätvolle Sorge um den Leichnam wäre dann eine kleine Wiedergutmachung gewesen, wenn auch eine etwas bemühte, hilflose Aktion.

So geht es uns aber auch, manchmal; in kleinen, scheinbar unbedeutenden Dingen. Wir verpassen eine Chance, reagieren nicht richtig, und nachher tut es uns leid. Wir haben gehört, dass unser Nachbar schwer krank war, aber irgendwie sind wir nicht dazu gekommen, ihn zu besuchen. Nun ist er wieder zuhause; na prima. Dann schicken wir jetzt ein paar Blumen – und sind froh, dass wir sie nicht auf sein Grab legen müssen. Wir haben gehört, dass da eine junge Frau zur Abtreibung gedrängt wird, finden das schlimm, kommen aber irgendwie nicht in die Gänge. Wie kann man sich da einmischen? Und dann besuchen wir sie nachher. Zu wenig, zu spät. Joseph von Arimathäa hat immerhin getan was er konnte. Wenigstens das sollten wir uns auch sagen können.

zu den einzelnen Kreuzwegstationen