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(Bilder: An der Friedhofsmauer des Campo Santo Teutonico – Rom – sind die 14 Stationen des Kreuzwegs auf Kacheln gemalt zu sehen. Fotos: Paul Badde)

Dass die Menschwerdung Gottes in Jesus kein mythisches Konstrukt ist, dass er weder Halbgott, noch Super- oder Über-Mensch war, sondern richtig und wirklich Mensch, mit allen Konsequenzen, dass zeigt sich nirgends deutlicher als in der Todesstunde, die in den meisten Kreuzwegandachten an der zwölften Station betrachtet wird.

Auch in dieser letzten und äußersten Konsequenz teilt er unser Menschengeschick, noch dazu in einer Weise, die ihn mit allen gequälten und leidenden Menschen aller Zeiten vereint. Und über seinem Kopf ist da noch das Schild, auf dem Pilatus ihn – multikulturell-mehrsprachig (19) – als „König der Juden“ identifiziert. Da hat uns der römische Statthalter unwissentlich noch einen Wink gegeben – einen Hinweis auf den Zusammenhang von Altem und Neuem Testament.

Über die letzten Worte Jesu am Kreuz sind viele kluge und tiefsinnige Abhandlungen geschrieben worden; ebenso über die physischen Einzelheiten dieses Todes. Aber eigentlich reicht es völlig aus, auf irgendeine Darstellung des Gekreuzigten zu blicken, um zu wissen: Er hat das durchgemacht, er war wirklich tot.

Aber er lebt. Und deshalb werde ich auch leben, obwohl ich irgendwann sterben muss. Christen aller Zeiten haben das gesehen und sehen es auch heute jedes Mal, wenn ihr Blick auf ein Kruzifix fällt. Der Tod Jesu war eben nicht das Ende seiner Geschichte, sondern eigentlich erst der Anfang.


19) „Jesus von Nazareth, König der Juden“, auf Lateinisch (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, daher die Abkürzung I.N.R.I.), Griechisch und Hebräisch, also in allen damals im Osten des Römischen Reiches und im Hl. Land geläufigen Sprachen bzw. Amtssprachen.