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Filmische Qualität:   4 / 5
Regie:Jon Favreau
Darsteller:Pedro Pascal, Gina Carano, Carl Weathers, Werner Herzog, Nick Nolte, Emily Swallow, Taika Waititi, Giancarlo Esposito, Omid Abtahi
Land, Jahr:USA 2019
Laufzeit:300 Minuten
Genre:
Publikum:ab 12 Jahren
Einschränkungen:Gewalt
im Kino:4/2020

(Foto Disney+)


Ein besseres „Produkt“ hätte sich die Streaming-Plattform „Disney+“ für ihren Auftakt am 24. März kaum aussuchen können: „The Mandalorian“ ist die erste Realfilm-Serie aus dem „Star Wars“-Universum. Abgesehen von den drei Filmtrilogien — Episoden IV-VI (1977-1983), Episoden I-III (1999-2005) und Episoden VII-IX (2015-2019) — lieferte die Welt „in einer weit, weit entfernten Galaxis“ Stoffe für die Animationsserie „The Clone Wars“ sowie für die Spielfilme „Rogue One“ (2016) und „Solo“ (2018).

Führen sowohl „Rogue One“ und „Solo“ jeweils den Untertitel „A Star Wars Story“, so löst sich „The Mandalorian“ von diesem direkten Bezug — nun heißt es lediglich „Basierend auf Star Wars von George Lucas“. Der geschickte Schachzug erlaubt es dem Serienentwickler Jon Favreau, seinen Mitproduzenten und den jeweiligen Regisseuren, den Zuschauer durch ein bekanntes Gelände mitsamt Wiedersehen mit aus dem Star-Wars-Universum bekannten Kreaturen zu führen, ohne sich aber dem Druck auszuliefern, sich ständig mit der „Originaltrilogie“ messen zu müssen — ein regelrechter Ballast sowohl für die zwei späteren Trilogien als auch für die zwei „Star Wars Story“-Filme.

Die Handlung von „The Mandalorian“ wenigstens in den zwei ersten, von der Plattform Disney+ bereits online gestellten Kapiteln, denen weitere sechs im wöchentlichen Rhythmus folgen sollen, ist in der Zeit nach der Zerschlagung des Imperiums angesiedelt, also nach den Ereignissen der Originaltrilogie: „Du weißt, das Imperium ist Geschichte“, heißt es etwa in einer frühen Szene. 

Jon Favreau inszeniert die Serie als Weltraum-Western: Bereits zu Beginn ist eine typische Western-Kantine samt Prügelei und Schießerei zu sehen. Der Planet „Arvala-7“ besteht aus mit dem klassischen Western verwandten Wüstenlandschaften; der mit metallener Rüstung und Metallhelm versehene Kopfgeldjäger reitet zwar auf einem reptilienartigen Zweibeiner namens Blurrg — den er in Rodeo-Manier zunächst zähmen musste — statt auf einem Pferd, aber er liefert sich auch Duelle. Dieser „Mandalorianer“ (Pedro Pascal) ist jedenfalls ein einsamer Antiheld, der nur sein eigenes Gesetz kennt. 

Der Zuschauer lernt ihn kennen, als er gerade einen Auftrag erledigt. Sein Weg führt ihn nun zu einem neuen Auftraggeber (Werner Herzog), der offensichtlich früher mit dem Imperium zusammenarbeitete, gehören zu seinen Bodyguards doch imperiale Soldaten. Der Auftrag steht wohl im Zusammenhang mit der Aussage des Auftraggebers, „nach den Zeiten des Aufruhrs“ solle „die natürliche Ordnung der Dinge“ wiederhergestellt werden.

„The Mandalorian“ erzählt nach einem linearen Drehbuch; lediglich eine kurze Rückblende beleuchtet die Kindheit des einsamen Antihelden. Das Drehbuch lässt den Einfluss klassischer Regisseure durchscheinen, von John Ford über Sergio Leone mit seinen Spaghetti-Western bis zu Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ — womit sich der Kreis schließt, denn Kurosawas „Die verborgene Festung“ (1958) war erklärtermaßen eine bedeutende Inspirationsquelle für George Lucas, als er „Star Wars“ entwickelte.

Für die Musik der Serie zeichnet Ludwig Göransson verantwortlich, der einen von der „Star-Wars“-Musik von John Williams ganz verschiedenen Soundtrack komponiert hat, der dennoch die Handlung bestens unterstützt.

„The Mandalorian“, USA 2020. Serienentwickler: Jon Favreau, insgesamt acht Kapitel à 33 bis 45 Minuten. Kapitel 1-5 bereits auf Disney+. Die restlichen Kapitel folgen wöchentlich.