Die fünf Sprachen der Liebe

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Wo ist die Liebe nach der Hochzeit geblieben? Und noch wichtiger: Wie kann man sie wieder gewinnen? Das sind die Grundfragen, die sich Gary Chapman in seinem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ stellt. Und seine Antworten sind ebenso einfach und einleuchtend wie in ihrer Zusammenfassung originell.

Gary Chapman

Francke-Buchhandlung, ISBN 3-86122-126-8.
(Alle Anmerkungen sind der 15. Auflage, 2000, entnommen. Dieser Klassiker hat schon mehr als 40 Auflagen erfahren.)

Liebe ist ein Grundbedürfnis des Menschen wie Essen und Schlafen. Chapman spricht in diesem Zusammenhang von einem „Liebestank“ (1). Nur wessen Tank immer wieder nachgefüllt werde, der könne zufrieden und glücklich werden. Am Anfang einer Beziehung glaubten wir uns oft „im siebten Himmel“, aber diese Gefühle seien nicht von Dauer. Wirkliche Liebe ist kein Gefühl, sondern ein Willensakt. Nur wer es lerne, seine Liebe dem (Ehe-)Partner für ihn verständlich zu zeigen und selbst die Liebe des anderen erfahre, gelange zu einer glücklichen Beziehung (2).

Auf welche Weise wir jedoch Liebe empfangen und weitergeben, werde in der Kindheit erlernt. Je nachdem, wie unsere Eltern ihre Liebe zu uns ausdrückten, durch das, was wir bekommen oder auch was wir schmerzlich vermissen, erlernten wir eine bestimmte „Sprache der Liebe“ (oder zwei). Chapman unterscheidet in diesem Zusammenhang fünf Sprachen der Liebe.

Und er führt Missverständnisse und Schwierigkeiten in der Ehe teilweise darauf zurück, dass zwei Partner oft unterschiedlich ihre Liebe zueinander ausdrücken, also „verschiedene Sprachen“ der Liebe sprechen, so dass die Zuneigung des einen beim anderen nicht ankomme – und umgekehrt. Und was wir in der Zeit des Verliebtseins automatisch täten – Geschenke machen, Zeit miteinander verbringen, usw. – könne uns einige Jahre nach der Hochzeit schon schwerer fallen, sei aber dennoch jede Mühe wert.

Lob und Anerkennung

Die erste Sprache der Liebe ist nach Chapman Lob und Anerkennung: Komplimente, Dank, Ermutigung, freundliche Worte. Manche Menschen wollten vor allem durch die richtigen Worte geliebt werden und würden ihrerseits vor allem ihre Liebe im Wort ausdrücken. Wer mit einem solchen Partner verheiratet sei, solle vor allem darauf achten, ihn oder sie oft zu loben und ihm/ihr zu danken für alles, was er/sie für den anderen, für die Kinder usw. tut. Kritik sei für Männer und Frauen, deren „Muttersprache“ Lob und Anerkennung sei, besonders verletzend.

Daher solle man immer darauf achten, sie freundlich zu formulieren und, wenn irgend möglich, zuerst etwas Positives zu sagen. Was natürlich nicht dazu führen darf, dass jeder zweite Satz so beginnt: „Ich habe mich sehr über die Blumen gefreut, aber…“. Wem es schwer fällt, das Positive am anderen zu sehen, dem rät Chapman, sich einmal hinzusetzen und die guten Seiten des anderen aufzuschreiben – und sich durchaus Komplimente zu notieren, die man bei anderen hört (3). Übrigens: die guten Seiten am anderen kann man auch mal aufschreiben – als Liebesbrief oder als Zettel zum Adventskalender oder…

Zweisamkeit

Anderen reicht es nicht aus, durch Worte Liebe zu erfahren. Ihnen ist es vor allem wichtig, gemeinsam etwas zu unternehmen, Zeit für Gespräche zu haben, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Partners oder der Partnerin. Dem oder der, dessen Ehepartner/in ihre Liebe vor allem über Zweisamkeit erfährt, empfiehlt Chapman, zunächst einmal zu überlegen, was sich der/die andere schon öfter gewünscht hat.

Davon kann man sich eine Liste anlegen und die einzelnen Unternehmungen nacheinander angehen. Besonders, wenn dem einen Partner das Gespräch wichtig ist, der andere sich aber damit schwer tut, regt Gary Chapman dazu an, sich während des Tages kurz Ereinisse und die damit verbundenen Gefühle zu notieren, um am Abend auf die Frage „Wie war dein Tag?“ ausführlicher zu antworten als mit „Wie immer“ (4).

Eine wertvolle Hilfe, wenn sich die gemeinsame Zeit nicht spontan ergibt, ist eine feste Verabredung, etwa einmal die Woche, für einen gemeinsamen Abend. Dann ist Zeit für das Gespräch, aber auch – ggf. mit Babysitter – für einen Restaurant- oder Kinobesuch, zum Spazierengehen, Tanzen, Konzert, Theater usw. Es lohnt sich auch, vielleicht einmal im Jahr, sich ein gemeinsames Wochenende freizuschaufeln, sich eine Stadt anzuschauen oder zu wandern, Ski fahren. u. ä.

Geschenke

Eine überall in der Welt verbreitete Weise, seine Liebe zu zeigen, sind Geschenke. Und es gibt Menschen, so Chapman, die ihre Liebe vornehmlich über diese Sprache empfangen und ausdrücken. Dabei dürfe man jedoch nicht dem Missverständnis verfallen, Schenken bedeute immer viel Geld ausgeben. Wichtiger sei die Zuneigung dessen, der sich Gedanken macht.

Ein selbst gepflückter Blumenstrauß, ein lieber Brief, ein Stück Lieblingsschokolade auf dem Kopfkissen, ein Gutschein für eine Massage oder „einmal die Kinder ins Bett bringen“ können mehr sagen als ein teures Geschenk. Vor allem sollte man darauf achten, was sich der andere wünscht. Und manche Herzenswünsche dürften ruhig auch etwas kosten, wenn das die finanziellen Mittel nicht übersteigt. Auf die Spur kommen könne man auch hier mit einer Liste der Geschenke, über die sich der/die andere wirklich gefreut hat. Das vielleicht wichtigste Geschenk sei das Dasein für den anderen, auch in schwierigen Situationen (5).

Hilfsbereitschaft

Die vierte Sprache der Liebe ist nach Chapman die Hilfsbereitschaft, die ihre Liebe vornehmlich in Taten ausdrückt und den anderen/die andere konkret unterstützt. Die Palette reicht dabei von Diensten im Haushalt oder der Kindererziehung über die Steuererklärung und das Verwalten der Versicherungen bis zum Instandhalten des Gartens, Autos, Reparaturen usw. Dabei ist es sehr wichtig zu klären, was der andere sich genau wünscht.

Eine/r freut sich über ein gutes Essen, der/die andere über einen Babysitter oder die reparierte Spülmaschine. Und diese Wünsche können sich je nach Bedürfnislage auch immer wieder ändern. Am besten fängt man auch hier mit den Dingen an, die der/die andere sich schon lange einmal gewünscht hat. Chapman weist darauf hin, dass oft traditionelle Rollenvorstellungen verhindern, Liebesdienste für den anderen zu tun. Er empfiehlt, von Klischees, dass „ein Mann“ oder „eine Frau“ dieses oder jenes nicht tut, Abstand zu nehmen und bewusst der/dem anderen zu dienen. Was natürlich nicht bedeutet, plötzlich für alles die Verantwortung zu übernehmen, sondern die Gewichte zu Gunsten der Handreichungen zu verschieben, die dem/der anderen jetzt gut tun (6).

Zärtlichkeit

Wieder andere empfangen und schenken ihre Zuneigung vor allem über die Sprache der Zärtlichkeit. Den Ehepartnern rät Chapman, ihre Liebe vielfältig körperlich auszudrücken – über den Kuss und die Umarmung beim Verabschieden und nach Hause kommen, das Händchen halten unterwegs, eine Massage usw. bis zum Miteinander-Schlafen. Auch hier sollte man ruhig nachfragen, was der/die andere sich jetzt gerade wünscht (8).

Die „Muttersprache“

Allen, die auf der Suche nach ihrer „Muttersprache“ sind, sei empfohlen, sich einmal in Ruhe zu überlegen, was ihnen besonders gut tut oder was sie beim Partner besonders vermissen. Vor allem, was uns fehlt, gibt oft Hinweise auf die ein oder zwei „Muttersprachen“ der Liebe. Denn etwa ein Geschenk zu bekommen, ist immer schön.

Die Liebessprache des Ehepartners/der Ehepartnerin zu kennen, hilft uns, unsere Liebe verständlich auszudrücken – so, dass sie auch wirklich ankommt. Unsere eigene Liebessprache zu kennen, ist ebenso wichtig, um dem Partner deutlicher sagen zu können, was ich brauche, was mir gut tut oder was mir fehlt. Sicher darf das nicht zum Mittel werden, den/die andere/n zu erpressen: „Du liebst mich nur, wenn Du…“. Aber es ist eine Hilfe zu wissen, was wir unter Liebe verstehen und wie wir sie am besten empfangen und weitergeben können.


Anmerkungen

(1) S. 14.
(2) S. 19-28.
(3) S. 29-41.
(4) S. 43-58.
(5) S. 59-70.
(6) S. 71-83.
(7) S. 85-96.