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(Foto: Warner Bros.)

Filmische Qualität:   4,5
Regie:Tim Burton
Darsteller:Johnny Depp, Freddie Highmore, Helena Bonham Carter, David Kelly
Land, Jahr:USA/Großbritannien 2005
Laufzeit:115 Minuten
Genre:Familienfilme
Publikum:ohne Altersbeschränkung
Einschränkungen:

Zu den Filmregisseuren, die zwar in Hollywood arbeiten, aber keine Massenproduktionen abliefern, sondern ihren Filmwerken eine eigene Handschrift verleihen, gehört auch Tim Burton. Seit seinen Anfängen zeichnet sich Tim Burton durch überwiegend düstere, aber stets bildgewaltige Spielfilme („Batman“ 1989, „Ed Wood“ 1994, „Sleepy Hollow“ 1999) aus. Sein letzter Film „Big Fisch“ (siehe Filmarchiv)entfaltete ein regelrechtes Feuerwerk der Fantasie, und setzte in Sachen visuelle Umsetzung einer literarischen Vorlage – des gleichnamigen Romans von Daniel Wallace – neue Maßstäbe. 

Die ideale Balance zwischen Märchen und Parabel, die sich visuell in der perfekt austarierten Verbindung von düsteren und bonbonfarbenen Passagen ausdrückte, gelang Burton indes in der modernen Frankensteinversion „Edward mit den Scherenhänden“ (Edward Scissorhands, 1990), mit der er Publikum und Kritiker gleichermaßen überzeugen konnte. Die Hauptrolle in diesem Spielfilm spielte Johnny Depp, mit dem Tim Burton später die Hauptrollen in seinen weiteren Filmen „Ed Wood“ und „Sleepy Hollow“ besetzte.

Nun startet im deutschen Kino die vierte Zusammenarbeit zwischen Tim Burton und Johnny Depp: „Charlie und die Schokoladenfabrik“ („Charlie and the Chocolate Factory“), die Filmadaption des in den Vereinigten Staaten beliebten gleichnamigen Romans von Roald Dahl.

Der kleine Charlie (Freddie Highmore) lebt mit seinen bettelarmen Eltern und allen vier Großeltern in einem winzigen und windschiefen Haus im Schatten von Willy Wonkas (Johnny Depp) riesiger Schokoladenfabrik. Charlie träumt davon, die Fabrik von innen zu sehen, in der einst sein Großvater Joe arbeitete. Die Gelegenheit, die geheimnisvolle Schokoladenfabrik zu besichtigen, die seit vielen Jahren kein einziger Arbeiter mehr betreten hat, aber weiterhin die ganze Welt mit ihren Erzeugnissen beliefert, ergibt sich dank eines Gewinnspiels: In fünf Schokoladentafeln versteckt Wonka eine goldene Eintrittskarte. Die glücklichen Finder samt einem Erziehungsberechtigten will Willy Wonka durch seine Fabrik persönlich führen. Charlie findet nach anfänglicher Enttäuschung die letzte der fünf Eintrittskarten, so dass er sich zusammen mit seinem Großvater Joe sowie vier anderen Kindern und je einem Elternteil auf Entdeckungsreise in der knallbunten und skurrilen Welt des Willy Wonka aufmachen kann.

Die anderen Kinder – der gefräßige deutsche Metzger-Sohn August Gloop, die verwöhnte Engländerin Veruca Salt, die Kaugummi-kauende Sportskanone Violet Beauregarde und der Videospielsüchtige Mike Teavee – verschwinden nach und nach, weil ihnen ihrem jeweiligen Laster entsprechend eine Lektion erteilt wird. Natürlich sind sie überzogene Klischees einschließlich der für die jeweilige Figur typischen Musik aus der Sicht des Amerikaners, der etwa Düsseldorf in Bayern ansiedelt – demgegenüber bleiben uns Europäern die Anspielungen auf die Heimat von Violet (Atlanta) und Mike (Denver) eher verborgen. Johnny Depp spielt den exzentrischen Willi Wonka mit ähnlich sichtlichem Spaß, mit dem er all diese Außenseiterfiguren in den früheren Burton-Filmen verkörperte.

Wie bereits „Edward mit den Scherenhänden“ besticht „Charlie und die Schokoladenfabrik“ durch den Kontrast zwischen der kalten grau-blauen Außenwelt, dem warmen aber ebenso monochromatischen Heim Charlies und der bonbonbunten Welt in Wonkas Fabrik. Dass der Film ein Märchen nicht nur für Kinder ist, zeigt sich nicht nur etwa in den Anspielungen auf berühmte Filme wie „Psycho“ und vor allem „2001 – eine Odyssee im Weltraum”, mit der berühmten Filmmusik aus Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“.

Durch die doppelte Familienbeziehung – das ähnlich in Tim Burtons letztem Film „Big Fish“ im Mittelpunkt stehende schwierige Vater-Sohn-Verhältnis auf der einen, der liebevolle Umgang in Charlies Familie auf der anderen Seite – gelingt dem Regisseur erneut darüber hinaus eine schöne Parabel über Familie und die Liebe.