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Immer mehr Eltern streiten gegen die „woke“-Ideologien, die in Klassenzimmer und Lehrpläne einsickern. Immer deutlicher sprechen sie sich dagegen aus und melden ihre Kinder ab. 

Erst letzte Woche schrieb Andrew Gutmann, Vater einer Schülerin der US$54,000 pro Jahr kostenden Elite-Brearley Schule in Manhattan, einen scharfen, offenen Brief an die Schule. Darin bemerkte er, dass er seine Tochter nicht mehr für das kommende akademische Jahr anzumelden gedächte, da sich die Schule einseitig auf „antirassistische“ Ausbildung fokussiere, die, so Gutmann, offenbar rassistisch und ausschließend daher komme. 

„Ich lehne Brearleys geistlosen, unangemessenen, und fanatischen Gebrauch von Begriffen wie Gleichheit, Diversität und Inklusion ab, schrieb Gutmann in seinem 1700-Wörter langen Brief, der in der vergangenen Woche auf der Website des Journalisten Bari Weiss veröffentlicht wurde.

Wenn die Brearley Administration es wirklich mit der sog. Gleichheit ernst meinte, würden sie den Fortfall von Zugangspräferenzen für Erben, Geschwister und Familien mit besonders dicken Geldbörsen diskutieren, heißt es weiter im Brief. Nähme die Administration wirklich Diversität ernst, würde sie nicht ihre Schüler und deren Familien in einer Weise beeinflussen, die an die Indoktrination der chinesischen Kulturrevolution erinnert. Stattdessen würde die Schule eine Kultur intellektueller Offenheit und Gedankenfreiheit befördern. 

Und wenn Brearley sich wirklich Gedanken um Inklusion machte, würde sie zu ihren Ursprüngen im Motto One Brearley zurückkehren, schließt Gutmann. Jedenfalls sollten sie nicht behaupten, dass es nur und immer zwei Gruppen in diesem Land gäbe: Besiegte und Unterdrücker.

Der Leiter der Brearley School antwortete auf das Schreiben, das er zutiefst beleidigend und schädlich nannte. Doch immer mehr Eltern trauen sich, diese Initiativen, die auf einer falschen Rassentheorie fußen, soziale und kulturelle Belange durch das Vergrößerungsglas rassischer Identität betrachten und besonders Machtstrukturen, die auf dieser Identität aufbauen, zu kritisieren.

In einem Artikel des City Journal vom letzten Monat, beschrieb Weiss, dass viele Eltern, die an berühmten Schulen des Landes studierten, die Indoktrination ihrer Kinder mit linkem „Wokeismus“ kritisieren. Und in einem Beitrag der vergangenen Woche publizierte Weiss den Brief des Lehrers einer Vorschule, der nicht länger gewillt ist, die andauernde Indoktrination der Schüler zu tolerieren.

„Als Lehrer sind meine Schüler mir erste Verpflichtung“ schrieb Paul Rossi, Lehrer für Mathematik an der noblen Grace Church High School in New York City. „Doch jetzt verlangt meine Schule von mir, antirassistische Pädagogik zu forcieren, was ich für sehr gefährlich für meine Schüler und für jeden halte, der die Tugenden von Neugier, Empathie und Verständnis zu verwirklichen sucht.

Antirassistische Ausbildung klingt gut, doch es verlangt von Lehrern, wie mir, Schüler unterschiedlich, entsprechend ihrer Rasse zu behandeln“, so Rossi. 

Grace Church High School brachte es im März in die Zeitungen ,wegen eines “Inclusive Language Guide” der, neben anderen Empfehlungen die Schulgemeinde dazu anhielt, eine Willkommenskultur und Inklusivität zu leben, und Wörter, wie Mutter und Vater, Eltern, Jungen und Mädchen nicht länger zu gebrauchen.

Aussteigen bedeutet Aufsteigen

Je mehr Eltern und Lehrer ermutigt sind, sich gegen die Welle von „Wokeismus“ in den Schulen ihrer Kinder zu wenden, umso mehr wachsen die Chancen zur Änderung. 

Einige Schulen werden ihre „Woke“-Rhetorik einschränken, wenn genügend Eltern sich dagegen aussprechen, doch viele Eltern werden ihre Kinder von solchen Privatschulen abmelden, zugunsten besserer Optionen. Unabhängige Schulen sehen zweifelsohne ihre Chancen, ohne politische Beeinflussung zu lehren und zu lernen. Sie heben sich wohltuend ab von den Schulen, die von Rassentheorien durchsetzt sind. Wenn mehr Eltern Alternativen zu „Woke-Erziehung“ suchen, werden auch neue Lernmodelle entstehen, die ihren Fokus auf individuelle Entwicklung im Gegensatz zu ideologischer Gleichschaltung legen.

Ich erhielt vor kurzem die Mail einer asiatischen Mutter, deren Kind eine private Schule in Boston besucht und die die Nase voll hat von der Art, wie die Schule versucht, die Kinder einer Gehirnwäsche zu unterziehen.

„Der soziale Druck, sich mit dem zu synchronisieren, was die Schule als moralischen Kompass definiert, ist enorm und ermüdet mich“, so schrieb sie. „Das Geraune nimmt zu und ich frage mich, wann die Eltern endlich einen Schlussstrich ziehen und sagen: genug ist genug! Ich glaube, die Zeit ist reif für innovativere und ausgewogenere Modelle, um den Status der existierenden Schulen in Frage zu stellen.“

Der Bedarf für „Nicht-Woke-Ausbildung“ ist überall sichtbar und der Augenblick ist da, eine “Kreative Zerstörung” des Ausbildungssektors zu beginnen.

Der Begriff Kreative Zerstörung wurde von Joseph Schumpeter in seinem 1942 publizierten Buch  Kapitalismus, Sozialismus, und Demokratie, geprägt und beschreibt die dynamische Durchsetzung neuer Business-Modelle und Organisationen, die überalterte oder ungenügende Unternehmen ersetzen. Er führte aus, dass Kapitalismus „das immerwährende Ziel kreativer Zerstörung ist“ und durch Unternehmergeist und Innovation gespeist wird.

Doch wie steht es um die öffentlichen Schulen?

Eltern können wohl auf private Schulen mit kapitalistischen Methoden einwirken, eine Nicht-Woke-Ausbildunganzubieten, doch was ist mit den Kindern, die öffentliche Schulen besuchen müssen, die sich um Marktmechanismen nicht scheren? Leider ist festzustellen, dass auch öffentliche Schulen „woken Ideologien“ huldigen und zwar mit alarmierender Geschwindigkeit. 

Im Februar stimmten die Abgeordneten in Illinois für neue “Culturally Responsive Teaching and Leading Standards” in den Ausbildungsprogrammen für Lehrer an staatlichen Schulen. Diese Programme sollen sich mit den neuen Standards auseinandersetzen, die die Systeme der Unterdrückung betrachten sollen. Von Illinois Lehramtsanwärtern erwartet man, „ihre eigenen, sich überschneidenden Identitäten zu untersuchen“ und sich der Auswirkungen von Macht und Privilegien und der daraus erwachsenden Notwendigkeit für soziale Fürsorge und Aktion bewusst zu werden, um besser diverse Studenten und Gemeinschaften unterstützen zu können. 

Etwa zu der Zeit, als die Illinois Standards in Kraft gesetzt wurden, veröffentlichte eine Lehrergruppe ein Dokument , in dem die Vermittlung von Mathematik als rassistisch gebrandmarkt wurde und in dem dazu aufgerufen wurde, „die weiße Vorherrschaft in Mathematik abzuschaffen indem deutlich gemacht wird, dass weiße Vorherrschaft eine toxische Kultur in Bezug auf Mathematik ist“. Oregon schien dies zu interessieren.

Schließlich hat im vergangenen Monat das California Board of Education für ein Curriculum für ethnische Studien der K-12 Studenten gestimmt , das sich zunächst mit folgenden ethnischen Gruppen beschäftigen soll: Afro-Amerikaner, Asiatische-Amerikaner, Pazifik-Insulaner, Latein-Amerikaner und Native-Amerikaner. Zwar ist dieses Curriculum keine Vorschrift für einen Hochschulabschluss, wie ursprünglich von den Abgeordneten und der Lehrergewerkschaft geplant, denn Kaliforniens Abgeordneter Gavin Newsom legte ein Veto gegen den Gesetzentwurf ein. Das neue Curriculum betont jedoch Gruppen-Identität vor Individualismus.

Vor dem Veto des Abgeordneten schrieb The Wall Street Journal über das staatlicherseits verordnete ethnische Studien Curriculum: „Das ist dummes Zeug, Zwangsernährung von Teenagern mit anti-liberalen Theorien, die in den Studien-Abteilungen des Campus schon seit Jahrzehnten zirkulieren. Erzwungene Gleichschaltungspolitik und Intersektionalität sind dabei, bürgerlichen Nationalismus als Amerikas Überzeugung zu ersetzen.“

Viele Eltern sind mit den woken Ideologien, denen ihre Kinder in den Schulen ausgesetzt sind nicht einverstanden und hätten es lieber, dass diese Schulen auf akademische Ziele statt auf Aktivismus setzen. Doch zu viele Familien haben kaum Optionen, die über eine öffentliche Schule hinausgehen. Eine Erweiterung schulischer Möglichkeiten, wie sie heute in mehr als einem Dutzend Staaten versucht werden, werden Familien besser stellen, die richtigen Schulen zu wählen. Neue Schulwahl-Regeln werden auch Eltern, deren Kinder öffentliche Schulen besuchen, die gleichen Möglichkeiten zum Ausstieg und Umstieg bieten.

Eltern von Schülern an Privatschulen setzen sich engagiert gegen den Wokeismus zur Wehr, der an den Schulen ihrer Kinder Einzug hält und sie nutzen ihre Möglichkeiten, andere Lernmodelle zu finden. 

Dieser Beitrag wurde zuerst auf FEE.org publiziert. Link zum Original.

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Kerry McDonald ist Senior Education Fellow bei der FEE und Autorin von Unschooled: Raising Curious, Well-Educated Children Outside the Conventional Classroom (Chicago Review Press, 2019). Sie ist außerdem Adjunct Scholar am The Cato Institute und regelmäßige Mitarbeiterin von Forbes. Kerry hat einen B.A. in Wirtschaftswissenschaften vom Bowdoin College und einen M.Ed. in Bildungspolitik von der Harvard University. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Cambridge, Massachusetts.