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Bild: Madonna im Rosenhag, Stefan Lochner, um 1450

Die Adventszeit als Vorbereitungszeit auf Weihnachten steht in diesem Jahr unter keinem guten Stern, oder etwa doch? Sie droht in der anhaltenden Sorge über das Pandemiegeschehen unterzugehen. Auch wenn der weihnachtliche Vorverkauf wie in jedem Jahr bereits früh begonnen hat, so scheint er doch nicht so im Mittelpunkt zu stehen.

Viele machen sich mehr Gedanken und Sorgen darüber, wie wir das Weihnachtsfest werden feiern können – mit lieben Angehörigen und Freunden, oder eher allein und isoliert? Was können wir aus dieser Situation lernen?

Den Sinn von Weihnachten wieder entdecken

Für viele steht das Weihnachtsfest als das Fest der Familie im Vordergrund, das mit vielen Erwartungen an Frieden, Harmonie und Geschenken verknüpft ist, die allerdings auch oft enttäuscht werden. Und in diesem Jahr werden vielleicht nicht nur einige materielle Geschenke enttäuschen, sondern auch die Tatsache, dass ein Fest mit der Familie oft nur eingeschränkt oder manchmal sogar gar nicht möglich sein wird. Natürlich ist es schöner mit einer großen Familie Weihnachten zu feiern und wo immer dies möglich ist, sollten wir das auch tun. 

Aber wir feiern nicht uns als Familie, sondern die Geburt Jesu Christi, dem Sohn Gottes. Mit wie vielen Mühen und Schwierigkeiten war sie doch verbunden. Denken wir nur an die lange und für eine hochschwangere Frau sehr beschwerliche Reise und die anschließende Herbergssuche! Da war nichts zu finden an Ruhe und Gemütlichkeit, an liebgewonnener Routine und an Ritualen. Es war auch keine große Familie um Maria und Josef herum, die die Geburt des Stammhalters hätte mitfeiern können. So sollten wir uns auch nicht wundern, wenn es an Weihnachten nicht immer so reibungslos und harmonisch zugeht wie geplant.

Aber zurück zur Adventszeit. Vor allem für Familien ist es heutzutage schwierig geworden, genügend Zeit und Ruhe zu finden, um sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Hier liegt schon eine erste Chance der Corona-Beschränkungen. Viele Feiern können gar nicht stattfinden, weder im Kindergarten noch in Schule oder Sportverein. Auch wenn es in einigen Fällen schade ist, dass ein Fest ausfällt, so helfen uns diese besonderen Umstände dabei, mehr zur Ruhe zu kommen, die Zeit mehr mit den Kindern zuhause zu verbringen. Die Familienkalender werden bereinigt von diversen Advents- und Weihnachtsfeiern, Nikolausstiefel backen, Adventskalender im Kindergarten basteln, Proben für Krippenspiele etc. Wir können Sie mit schönen Momenten in der Familie füllen.

Ein anderer Adventskalender

Wir haben bei uns zu Hause schon vor vielen Jahren einen Adventskalender eingeführt, der nicht aus Schokolade oder Spielzeug besteht. Er ist ein Kalender für die zu Hause gemeinsam verbrachte Zeit, d. h. wir nehmen uns jeden Tag eine Sache vor, die wir (je nach Zeitkontingent) auf alle Fälle zusammen machen.

Jedes Jahr nehme ich mir dazu einige Zeit vor Beginn der Adventszeit meinen Kalender und überlege für jeden Tag eine „Aktion“. Das kann in etwas mehr Zeit für gemeinsames Basteln oder Backen bestehen, in einem kurzen Liedernachmittag, wo wir gemeinsam singen, oder Weihnachtslieder mit Instrumenten üben, Geschichten bei Kerzenschein und heißer Schokolade vorlesen, oder bei weniger Zeit das Haus oder die Wohnung mit den gebastelten Sachen schmücken…. Es steht auch schon einmal eine Aufgabe auf dem Programm, eine gute Tat (Tisch decken, Schuhe putzen,…) oder eine Tugend (z. B. Geduld, Freundlichkeit…), in der sich alle üben sollen. Jede „Aktion“ schreibe ich auf einen Zettel, der an unseren Adventskalender gehängt wird.

So wird unser Zuhause jeden Tag ein bisschen weihnachtlicher. Die Zeit, die wir zusammen verbringen, ist für uns sehr wertvoll. Es kostet schon einiges an Planung und Organisation, aber als ich diesen „Adventskalender“ ein Jahr (wegen anderer zeitraubender Aufgaben) streichen wollte, war der Protest bei unseren Kindern groß. Lieber hätten sie auf das Stückchen Schokolade verzichtet als auf diese gemeinsame Zeit. Und auch wenn die „Kinder“ jetzt schon groß sind, der Jüngste ist 15 Jahre alt, so wollen sie doch nicht darauf verzichten.

In diesem Jahr könnten noch andere Aktionen zum Tragen kommen: die Großeltern regelmäßig anrufen, weil wir sie nicht besuchen können, Mund-Nasen-Schutzmasken selber nähen und weihnachtlich verzieren, den Vorsatz sich einen Tag nicht über notwendige Maßnahmen zu beschweren, sondern gute Laune zu verbreiten, und damit anderen Freude zu machen, Adventslieder singen oder spielen und die Tonaufnahme an einsame Verwandte verschicken. Zeiten wie diese regen zu mehr Phantasie und Kreativität an. Sie reißen uns aus alten Gewohnheiten heraus und stellen uns vor neue Aufgaben und das muss nicht immer schlecht sein! Nutzen wir diese besondere Adventszeit, um erfinderisch zu werden, wie wir trotz Kontaktbeschränkungen diese Zeit für andere erträglicher und sogar schön machen können.


Zu den Bildern ab dem 1. Dezember:

Sie stammen von  Giotto di Bondone. Von 1304 bis 1306 malte er die Wände und das Gewölbe der Kapelle Cappella degli Scrovegni in Padua mit 38 Szenen aus dem Leben der heiligen Joachim (nach der Tradition der Vater Marias) und Anna (die Mutter Marias), ihrer Tochter Maria und dem Leben Jesu Christi aus. Wir werden anhand der Darstellungen das Leben der Mutter Gottes näher kennen lernen.


Dresdner Kreuzchor – Maria durch ein Dornwald ging