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In diesem Jahr stehen die Chancen besonders gut, dass Eltern ihren Kindern aus spannenden und interessanten Büchern vorlesen. Denn viele Berufstätige machen home office und sind dementsprechend mehr zu Hause. Trotzdem geschieht es verhältnismäßig selten, dass Mütter oder Väter sich die Zeit nehmen, ihren Kindern eine Geschichte vorzulesen.

Gründe für seltenes Vorlesen

Die Stiftung Lesen befragt jedes Jahr in einer Vorlesestudie einige Hundert Eltern wie sie es mit dem Vorlesen in ihrer Familie halten. Bei der Auswertung in diesem Jahr sagten 49 % der Eltern, dass ihnen das Vorlesen keinen Spaß macht; vor allem aber gibt die Hälfte der Befragten an, dass sie keine Zeit dafür finden. Ein Drittel der Eltern erklärten, dass ihre Kinder zu unruhig sind und gar nicht vorgelesen bekommen möchten. Andere führten an, dass sie oder ihre Kinder auch nur wenig Bücher besitzen, weil sie selten einmal ein Buch geschenkt bekommen.

Bei Vorjahresstudien hat die Stiftung auch Kinder im Alter von 2-10 Jahren befragt und herausgefunden, dass über 90% der Kinder vorgelesen bekommen möchte.

Der Wert des Vorlesens

Vorlesen wird nur noch von Geschichten erzählen übertroffen, wie wir aus allen Kulturen wissen, nicht nur aus den Erzählungen von 1001 Nacht. Die Kinder werden mitgenommen in eine Phantasie- und Vorstellungswelt, die sie sich selbst ausmalen können, ohne dass ihre Phantasie durch Bilder, wie bei Filmen, vorgeprägt wird.

Es ist nicht verwunderlich, dass manche Studien darlegen konnten, wie positiv sich das Vorlesen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder auswirkt, wie es sie dazu anhält und motiviert, selbst zu Büchern zu greifen, sobald sie des Lesens fähig sind. Die positive Auswirkung auf die Sprachkompetenz ist so auffallend, dass man schon nach kurzer Zeit, wenn man mit einem Kind zusammen ist, feststellen kann, ob das Vorlesen oder Selbst-Lesen zu seinen täglichen Gewohnheiten gehört. Die Erweiterung des kindlichen Sprachschatzes, aber auch das eigene Durchdenken von Situationen und Ereignissen ist bei Kindern, die mit Büchern aufwachsen, offenkundig.

Nicht zu unterschätzen ist die Möglichkeit der Werte-Vermittlung, die Eltern durch entsprechend ausgewählte Geschichten haben. Das gute oder schlechte Verhalten von Menschen, vor allem der Helden in den Geschichten, hat eine große Wirkung auf die kindliche Werte-Welt. Sie wollen genauso sein, wie die guten und immer siegreichen Helden.

Vorlesen oder Hörspiele hören?

Die vielfältigen Möglichkeiten von Hörbüchern oder Hörspielen, die man heute ohne Aufwand finden und abspielen kann, haben nicht dieselbe Wirkung, wie vorgelesene Geschichten. Das liegt zum einen daran, dass eine lebendige vor den Augen der Kinder lesende Person, erst recht wenn es ein Elternteil ist, persönlicher Geschichten nahebringen kann, aber auch weil für die Kinder sich die Geschichte im Augenblick des Vorlesens ereignet und sie darauf mit Ausrufen reagieren können und durch den Vorleser sogar eine Gegenreaktion erfahren können.

Es ist wichtig, die Vorlieben der Kinder herauszufinden. Oft sind die Interessen von Mädchen an Pferde- und Familiengeschichten stärker ausgeprägt als bei Jungen, die sich eher für Abenteuer- und Erlebnisgeschichten begeistern können. Nicht alle Geschichten sind in gleicher Weise geeignet, Kinder in ihren Bann zu ziehen. Als hilfreich erweist sich, immer wieder neue Geschichten von denselben Helden, also von schon bekannten Figuren zu erzählen. Dann finden sich die Kinder in den Personen schnell wieder.

Es lohnt sich, die derzeitige Situation und dazu noch in der Weihnachtszeit zu einem neuen Versuch zu nutzen, den Kindern Vorlesevergnügen zu verschaffen, was für Eltern manchmal anstrengend aber auch schön ist, und was nach einiger Zeit sogar dazu führen kann, dass es für die Kinder interessanter als Videos oder Computerspiele ist, lehrreicher allemal.

Gute, altersgemäße und inhaltsreiche Bücher bietet z.B. der Sailer Verlag.