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Filmische Qualität:   5 / 5
Regie:Hayao Miyazaki
Darsteller:(Dt. Stimmen) Sidonie von Krosigk, Nina Hagen, Tim Sander, Cosima Shiva Hagen
Land, Jahr:Japan 2001
Laufzeit:125 Minuten
Genre:Animation
Publikum:
Einschränkungen:

Dem japanischen Regisseur Hayao Miyazaki gelang mit seinem Animationsfilm „Prinzessin Mononoke“ (1997) ein großer weltweiter Erfolg. „Chihiros Reise ins Zauberland“ hat diesen Erfolg noch übertroffen.

Der Film setzte sich nicht nur gegen große Produktionen der Disney-, Fox- und DreamWorks-Studios bei der Vergabe des Oscars als Bester Animationsfilm 2003 durch, sondern löste darüber hinaus eine richtige Sensation aus: als erster Zeichentrickfilm überhaupt gewann „Chihiros Reise ins Zauberland“ den Goldenen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2002.

Gilt der europäische und amerikanische Zeichentrick- und Animationsfilm in erster Linie als Kinderfilm, der sich erst in den letzten Jahren einem erwachsenen Publikum öffnet, so sprengte der japanische Zeichentrickfilm bereits in den sechziger Jahren das Kinder-Genre. An der Entwicklung komplexer Handlungen und Szenarien für alle Altersstufen war Hayao Miyazaki maßgeblich beteiligt.

Bei „Prinzessin Mononoke“ könnten sogar Zweifeln bestehen, ob die vielschichtige und mitunter gewalttätige Story überhaupt für Kinder geeignet sein könnte. „Chihiros Reise ins Zauberland“ spricht wieder die Kinder an, ohne deshalb für Erwachsene uninteressant zu werden.

Beim Umzug in eine andere Stadt treffen die zehnjährige Chihiro und ihre Eltern auf einen verlassenen Tunnel. Sie durchqueren ihn und finden sich in einer Stadt, die vollkommen verlassen wirkt. Nachdem sich Chihiros Eltern, angezogen vom Duft leckerer Speisen, ins Restaurant stürzen, werden sie in Schweine verwandelt. In dieser fremden Welt auf der anderen Seite des Tunnels, die von allerlei seltsamen Wesen und Geistern bewohnt wird, lernt Chihiro den Jungen Haku kennen, der sie in das von der Hexe Yubaba geführte Götter-Badehaus einschmuggelt.

In der Hoffnung, Hinweise darauf zu finden, wie sie ihre Eltern retten und wieder nach Hause zurückkehren kann, ersucht sie die Hexe um eine Anstellung. Yubaba lässt sich davon überzeugen, mit Chihiro einen Arbeitsvertrag zu schließen. Doch zu dessen Bedingungen gehört, dass die Hexe Chihiros Namen einzieht und ihr einen neuen verleiht. Wer seinen eigentlichen Namen allerdings vergisst, kann der Schattenwelt niemals mehr entkommen.

Haku, der Junge, der sich in einen Drachen verwandeln kann, bleibt Chihiro ein Rätsel: einerseits versucht er ihr zu helfen, ihre Eltern wiederzufinden, andererseits steht er hoch in Yubabas Diensten. 

In „Chihiros Reise ins Zauberland“ spielt Ökologie eine überaus wichtige Rolle, so etwa in der Figur des „verschmutzten Flussgottes“: Ein schlammverschmierter und übel riechender Geist verbreitet Ekel und Abscheu im Badehaus. Erst als Chihiro einen Dorn aus seinem Körper entfernt, an dem zahllose Gegenstände hingen, die sich tief in der Gottheit Körper eingefressen hatten, erweist sich der so abstoßende Faulgott als mächtiger Flussgott, der Zuflucht vor der Welt der Menschen sucht.

Doch die Metapher geht tiefer: in dieser Figur prallen die moderne kapitalistische Welt mit ihren Maschinen und sonstigen Artefakten, die aus dem schleimig-unförmigen Körper des Flussgottes herauskommen, und das traditionelle Japan mit seinen Legenden und Märchen aufeinander. So erweist sich „Chihiros Reise ins Zauberland“ als ein Plädoyer gegen den Werteverfall, gegen den Verlust von Traditionen und die alles nivellierende Globalisierung. 

Neben dem großen Detailreichtum in der Zeichnung besticht der Film durch eine gelungene Charakterzeichnung: der mysteriöse Haku, die mit allen Wassern gewaschene Lin, die im Badehaus Chihiro unter ihre Fittiche nimmt, oder auch der vielarmige Heizer Kamajii, sind überaus komplexe Figuren, die dazu beitragen, aus „Chihiros Reise ins Zauberland“ ein Meisterwerk für wirklich alle Generationen zu machen.