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In der vorletzten Folge unserer Artikelserie über unterschiedliche Lernwege von Jungen und Mädchen geht es hauptsächlich um die Phase der Adolenszenz bei Jungen und die erstaunlichen Veränderungen dabei. Die Schere zwischen den fleißigen Mädchen und den bis dahin am Schulstoff nur mäßig interessierten Jungen klafft nicht mehr ganz so weit auseinander.

Die Adoleszenz

Das Erstaunliche ist allerdings, dass diejenigen jungen Männer, die ihre Pubertät unbeschadet überstanden haben – dem Erblühen ihres durch die Hormone angefeuerten Gehirns entsprechend –, vom 16./17. Lebensjahr ab eine verbesserte Schulfähigkeit entwickeln. Jedenfalls klafft die Schere zwischen den fleißigen Mädchen und den bis dahin am Schulstoff nur mäßig interessierten Jungen nicht mehr so ungerecht weit auseinander: Während bei den Mädchen die Mann-Suche mit dem nun dominant werdenden Bemühen um äußere Attraktivität die schulische Motivation abschwächt, entdeckt der junge Mann erstmals den Sinn von Ausbildung überhaupt als Möglichkeit zum Gewinn von gesellschaftlicher Anerkennung und Macht.

Seine sich herauskristallisierende Fähigkeit zum sachlichen Denken, zu naturwissenschaftlicher und technischer Begabungsausge-staltung lässt ihn aufwachen und sich nach Höherem ausstrecken. Der seelisch gesunde junge Mann steht mit der Adoleszenz sprungbereit zum Aufbau und zur Gestaltung seines Lebens.

Die Kraft der Begeisterung

Die sexuelle Potenz, die ihm dabei von der Geschlechtsreife ab in höchster Quantität zur Verfügung steht, ist in diesem Alter dabei interessanterweise noch keineswegs vorrangig auf die Realisierung seiner erwachten sexuellen Bedürfnisse gerichtet. Es ist vielmehr so, als würde in diesem Alter gleichzeitig so etwas wie eine Kompensation bzw. Sublimationsmöglichkeit der rohen Triebkraft auftauchen. Jedenfalls haben überpersönliche Interessen und Begeisterung für zu verwirklichende Ideen nirgends so viele Ansatzmöglichkeiten wie beim jungen Mann an der Schwelle zum Erwachsenenalter.

Es ist deshalb pädagogisch klug, diese Ansätze zum Einsatz für geistige Ziele und die Verwirklichung gesellschaftlicher Innovationen zu nutzen, statt die Jugendlichen im öffentlichen Trend durch ein Hinlenken auf sexuelle Themen nach Bravo-Manier zu stimulieren, nun doch so rasch wie möglich der Sexualität Vorrang einzuräumen; denn seine Sexualität bedarf gewiss keiner zusätzlichen Anregung von außen.

Zielgerichtete Mentalität ausnutzen

Deshalb ist die Motivation zur Berufsausbildung – wenn diese auch nur einigermaßen den Begabungen des jungen Mannes entspricht – wie Wasser unter dem Kiel seines Lebensschiffes. Sie entspricht seiner propulsiven Mentalität, sie ist zielgerichtet. Das wirkt sich als besonders förderlich in all jenen Ausbildungsgängen aus, in denen „Learning by doing“ im Vordergrund steht. Aber auch die Universität entspricht – bei entsprechender Intelligenzqualifikation – dem männlichen Geist. Sachlichkeit, wissenschaftliche Absicherung, abstrakt logisches Denken sind hier gefragt. Die Alma mater ist nicht zufällig so aufgebaut. Sie wurde von Männern für Männer geschaffen, und das kommt ihnen hier zugute, wenn heute auch das Übermaß an zu lernender Quantität die Motivation und die Durchhaltefähigkeit einmal mehr einzuschränken pflegt.

Hinderlich steht einem zügigen Abschluss entgegen, dass die Studentinnen abermals früher fertig sind und die kargen Arbeitsplätze besetzen. Das wirkt sich besonders dann als leistungsmindernd auf den jungen Mann aus, wenn er sich mit einer Kommilitonin in wilder Ehe zusammengeschlossen hat. Sein Sexualleben kann dann unter Umständen demotivierend auf den Abschluss der Ausbildung wirken, besonders wenn er sein Hinterherhinken hinter der Freundin als Einbuße seines Selbstwertgefühls erlebt. Oft geht es dann nicht ohne emotional dezimierende Trennungen und Studienverlängerungen ab.

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Christa Meves, geb. 1925. Studium der Germanistik, Geographie und Philosophie an den Universitäten Breslau und Kiel, Staatsexamen in Hamburg, dort zusätzliches Studium der Psychologie. Fachausbildung im Psychotherapeutischen Institut in Hannover und Göttingen. Freipraktizierende Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in Uelzen, Arztfrau und Mutter zweier Töchter, sechs Enkel. 1987 Konversion zum katholischen Glauben. Seit 1978 Mitherausgeberin der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur". Verliehene Auszeichnungen, u.a. 1977 Goldmedaille des Herder-Verlags; 1978 Niedersächsischer Verdienstorden; 1979 Konrad-Adenauer-Preis der Deutschlandstiftung; 1985 Bundesverdienstkreuz erster Klasse; 1996 Preis für Wissenschaftliche Publizistik; 2000 Ehrenmedaille des Bistums Hildesheim; 2001 Deutscher Schulbuchpreis. Bisher 108 Buchpublikationen, Übersetzungen in 13 Sprachen. Gesamtauflage in deutscher Sprache: fünf Millionen Exemplare.