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Wenn eure Denkmuster und Sexualpraktiken sich weiterhin so aufs Verhüten konzentrieren, dass auch dem letzten Kind die Chance des Geborenwerdens genommen wird, dann werdet Ihr vergeblich nach der ungezwungenen Fröhlichkeit der Kleinen Ausschau halten. Auch aller Wohlstand wird euch nicht den Schauer der sich breit machenden Gefühlsarmut und Kälte nehmen, denn ein Kinderlächeln lässt sich nicht in Gold aufwiegen. 

So werden bald noch mehr angegraute Ichlinge in Selbsthilfegruppen hocken, um mittels vergilbter Bilder wohlige Kindheitserinnerung wach zu rufen. Bitterer Ernst umfängt die Protagonisten der Spaß-Konsum-Gesellschaft.

Die fortschreitende Überalterung

Ach, äußern sich die vielen Tagträumer, etwas weniger Kindergeplärre wird die Welt nicht untergehen lassen. Optimisten werden schnell einwerfen, dass es immer noch reichlich Menschen gibt, welche in Verantwortung Kindern das Leben schenken. 

Und Zeitgenossen mit dem Blick eines Konrad Adenauer werfen augenzwinkernd ein: „Kinder kommen immer, ob geplant oder ungeplant!“ Aber den in diesem Zusammenhang eher zufällig oder ungewollt ins Leben geratenen Nachwuchs sollten wir erst einmal als Risikogruppe ausklammern, weil ja niemand weiß, ob diese Kinder jemals Leistungsträger werden.


Unabhängig von der Frage, ob unsere Junioren zur tragende Kraft der zukünftigen Gesellschaft werden, die Überalterung ist offensichtlich. So klingt es in der Politik aus unterschiedlichsten Beweggründen – ob von Rentenspezialisten, Wirtschaftsexperten oder Familienlobbyisten – unisono, unsere fröhlich aus den Windeln hervorlugende Strampler-Generation braucht dringend massiven Zuwachs. 

Selbst die ständig wachsende Schar der – oft zwischen „Sex in the City“, einsamer Selbstsuche und recht nobler Finanzausstattung hin und her pendelnden – Überzeugungs- oder Zufalls-Singles stimmen in das Klagelied der verschwundenen Kinder ein. – Nein, heißt es allerorten, so kann es keinesfalls weitergehen. Irgendwer muss umgehend unsere Zukunft retten.

Die Unlust am Kind

Unbeeindruckt von allem belegt die Statistik: immer mehr Frauen wollen immer weniger oder keine Kinder. Und je höher der Ausbildungsstand, je offensiver wird dieses Lebenskonzept vertreten. Fehlt hier in der persönlichen Karriereleiter die Sprosse Mutterglück oder haben überdrehte Selbstverwirklichungs-Ideen die genetischen Voraussetzungen von Frauen abgetötet? Fakt ist: das ehemals schwache Geschlecht hat dem Geburtskanal rigoros einen Riegel vorgeschoben.

Aber auch ein Blick auf das angeblich starke Geschlecht ist notwendig. Denn die Herren der Schöpfung stehen dem Vaterglück recht enthaltsam gegenüber. Allerorten wird deutlich, zu viele Männer haben sich so auf ihren Alltag zwischen Beruf, Partnerschaft und/oder Hobby eingestellt, dass Frauen zwar als kommunikativ-erotisch versierte Partnerinnen gesucht, als Mütter aber allzu häufig samt dem Nachwuchs im Stich gelassen werden. 

Währenddessen ignoriert die Politik, dass mit Kindern das Armutsrisiko wächst. Und die Wirtschaft verdrängt, dass sie nur eine Zukunft hat, wenn neue Produzenten und Konsumenten geboren und mit viel Sorgfalt und Zeit auf das Leben vorbereitet werden, was eine massive Verbesserung der Vereinbarkeit von Erziehungs- und Erwerbsarbeit notwendig macht.

Wofür gibt es Geld?

Gesellschaftliche Trends spiegeln immer die Wertsetzungen und dementsprechend die Wertschätzungen von Mehrheiten wider. Wenn über Jahrzehnte Konsumansprüche, Konten und Ego-Konzepte wucherten, bleibt wenig Raum für Kinder und Familienleben. So investiert unser Staat kaum in die Qualifizierung der elterlichen Erziehung und setzt statt dessen weitestgehend auf öffentlich subventionierte Ganztagsbetreuungssysteme. 

Die Vorbereitung von Kindern auf ein Leben in Eigenständigkeit und Selbstverantwortung muss nicht gelernt werden, scheint das Credo zu sein. Geht es um Hobbys und berufliche Erfordernisse, egal ob eine optimiertere PC-Nutzung, chinesisches Kochen oder astrologisches Wissen angestrebt wird, – Zeit und Geld kommt schnell zum Einsatz. 

Aber diese Selbstverständlichkeit fehlt weitestgehend bei der Vorbereitung auf die Elternrolle. Demnach wird nachvollziehbar, dass zwischen Küche, Kinderzimmer und Karriereplanung für den Nachwuchs viel Unvermögen im Umgang mit den anstehenden Aufgaben als Väter und Mütter deutlich wird. Außerdem liegt die gesellschaftliche Anerkennung für diese herausfordernde Tätigkeit weit unter den simpelsten – außerhäusig ausgeübten – beruflichen Tätigkeiten.

Nicht Konten sondern Kinder

Zeitgleich verdeutlichen einige Mahner, dass selbst eine höhere Geburtenrate keinesfalls aus dem momentanen Desaster herausführt, wenn diese Jugendlichen nicht gleichzeitig gut ausgebildet, leistungsbereit und mobil auf den Arbeitsmarkt reagieren. 

Denn was hat eine Gesellschaft davon, wenn ein ständig wachsender Teil des Nachwuchses sich schon in jungen Jahren gezielt in Richtung soziales Netz hangelt?

Daher steht jetzt ein energisches Gegensteuern an: Denn ein Volk hat nur dann Zukunft, wenn nicht Konten sondern Kinder zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranwachsen.

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Dr. Albert Wunsch
Dr. Albert Wunsch ist Psychologe und promovierter Erziehungswissenschaftler, Diplom Pädagoge und Diplom Sozialpädagoge. Bevor er 2004 eine Lehrtätigkeit an der Katholischen Hochschule NRW in Köln (Bereich Sozialwesen) begann, leitete er ca. 25 Jahre das Katholische Jugendamt in Neuss. Im Jahre 2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen / Neuss. Außerdem hat er seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf und arbeitet in eigener Praxis als Paar-, Erziehungs-, Lebens- und Konflikt-Berater sowie als Supervisor und Konflikt-Coach (DGSv). Er ist Vater von 2 Söhnen und Großvater von 3 Enkeltöchtern. Seine Bücher: Die Verwöhnungsfalle (auch in Korea und China erschienen), Abschied von der Spaßpädagogik, Boxenstopp für Paare und Mit mehr Selbst zum stabilen ICH - Resilienz als Basis der Persönlichkeitsbildung, lösten ein starkes Medienecho aus und machten ihn im deutschen Sprachbereich sehr bekannt.