Der Engel Rafael – ein außerfamiliärer Erzieher

155
Lesezeit: ≈ 2 Minuten

Stanko Gerjolj

Don Bosco Verlag


Das alttestamentliche Buch Tobit als moderner Erziehungshelfer? Dass jemand auf die Idee kommt, das Alte Testament pädagogisch zu interpretieren, wird auf dem Hintergrund verständlich, dass in der Bibel nicht nur fundamentale Lebensfragen behandelt werden, sondern uns auch viele Aspekte der Entwicklung verschiedener Persönlichkeiten vor Augen geführt werden, aus denen wir auch heute lernen können und sollen.

Das Buch Tobit

In erzählerisch beeindruckender Weise werden wir im Buch Tobit in die geschichtliche Situation des Volkes Israel zur Zeit der assyrischen Gefangenschaft und des Falles der „großen Stadt Ninive“ zu Beginn des 7. Jahrhunderts vor Christus geführt. Zwei Familien, die im Exil einige Tagemärsche voneinander entfernt wohnen, stehen im Mittelpunkt der Erzählung. Sie haben sich darum bemüht, die einen Eltern ihren Sohn (Tobias), die anderen ihre Tochter (Sara) fromm und gottesfürchtig zu erziehen. Wie beide trotz aller Schwierigkeiten zusammen finden, da sie nach göttlichem Ratschluss füreinander bestimmt sind, ist Inhalt des Buches Tobit.

Als Wegbegleiter für eine längere Reise, an deren Ende der junge Tobias glücklich seine Sara nach Hause führen kann, bietet sich Rafael an, der das Vertrauen der Eltern gewinnt. Erst am Ende des Buches erklärt er, dass er einer der Erzengel ist. Wie Tobias durch alle Gefahren von seinem Beschützer glücklich geleitet wird und schließlich gegen alle Widerstände seine für ihn bestimmte Frau erhält, macht den Hauptteil dieser alttestamentlichen Erzählung aus.

Lebenshilfe außerhalb der Familie

Der Autor, Dr. Stanko Gerjolj, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Ljubljana in Slowenien, interpretiert diese Ehevorbereitungsgeschichte, indem er den Blick auf die Hilfen richtet, die Eltern in ihrer wichtigen Erziehungsarbeit von außerhalb der Familie erhalten können. Dabei können an die Stelle des Engels z.B. Taufpaten treten oder Lehrpersonen, Freunde, letztlich alle, die den Heranwachsenden helfen, „gut zu leben, zu handeln und zu lieben“.

Pädagogisch und psychologisch interpretiert der Autor die Ratschläge, die Orientierungen und Hilfen, die Rafael dem jungen Tobias gibt, wobei er bemüht ist, alle Symbole, die in der Erzählung enthalten sind, verständlich aufzulösen, auch wenn man dabei sicher in einigen Fällen auch anderer Meinung sein kann.

Der Versuch, die Erzählung für elterliche Erziehungsanforderungen in heutiger Zeit hilfreich werden zu lassen, ist nicht nur interessant, sondern zeugt auch von pädagogischem Gespür für die Nöte von überforderten Eltern, die ermutigt werden, sich gute Begleiter und Helfer auch außerhalb der Familie für ihre Kinder zu suchen.