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„Der Klimawandel“, Montag, Dienstag, Mittwoch, alle Tage von morgens bis abends Topthema in allen Nachrichtensendungen von Rundfunk und Fernsehen. Oft ein Extra und Spezial dazu mit angsterregenden Bildern von Naturkatastrophen aus allen Winkeln der Erde, die im Chor mit Greta Panik machen und die kaum noch aufzuhaltende Zerstörung unseres Globus „beweisen“. Es ist eindeutig: Die größte Bedrohung der Menschheit sind CO2-Emissionen, das lernt und weiß schon jedes Kind spätestens bis zum Eintritt in die Grundschule. Auch die Werbefachleute, ebenso wie um Wählerstimmen kämpfende Politiker kalkulieren, dass sie umso mehr Zuspruch finden, wenn sie sich als Vorkämpfer gegen den Klimawandel inszenieren. Ein Blick in die TV- und Prospektwerbung selbst der Discounter und Baumärkte und sogar der „bösen“ Autoindustrie belegen die Werbewirksamkeit dieses Themas.

Klima und Schule

Seit Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg, Kind einer Familie mit langer Schauspieltradition, im Jahre 2011 im Alter von acht Jahren in der Schule erstmalig vom Klimawandel erfuhr, entwickelte sie Depressionen und „mit 12 Jahren wurde bei ihr das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Ihr anschließendes Klima-Engagement half ihr, Essstörungen und Depression zu überwinden   (wikipedia). Diese „Therapie“ hat sie mit ihrem Aufruf zum Schulstreik schließlich  zur Ikone bei Kindern und jugendlichen Klimaaktivisten aufsteigen lassen und ihr mit intensiver Unterstützung grüner Bewegungen und international operierender Aktivisten zu weltweiter Beachtung verholfen. Die Fridays For Future-Bewegung, mit Schulbeginn 2018 gegründet, geht auf Gretas Schulstreikaufruf zurück, und alle, die auch gern Klimaaktivisten werden möchten, schließen sich bereitwillig diesen wöchentlichen Demos an.

Begeistert

Lehrer, Schulleitungen, Schulaufsichtsbehörden, ja alle „Verantwortungsträger“ bis hinauf zur Bundeskanzlerin sind begeistert, wie die Kids für die Rettung des Globus das Schulpflichtgesetz außer Kraft gesetzt haben. Den im Demonstrieren immer erfahrener und sebstsicherer werdenden Schülern kann man den Spaß an diesen gemeinsamen Veranstaltungen mit zunehmendem Eventcharakter nicht verdenken, auch wenn ihre Eltern oft Sorge haben wegen der dadurch verpassten Bildungschancen und Unterrichtsstunden in Mathe, Englisch… . Wenn man überschlägt, wieviel ein „echter Klimaaktivist“ an Unterricht versäumt, weil der Freitag ja für den Klimawandel benötigt wird, so fehlt jede Woche ein Fünftel oder 20% des Unterrichts, hochgerechnet auf auch nur 10 Schuljahre macht das 2 volle Jahre. Aber 0,5% weniger Erderwärmung ist offensichtlich 20% weniger an Bildung wert.

Kinderrechte

Viele Eltern sehen das nicht so gelassen, haben es aber schwer, sich bei ihren Kindern durchzusetzen, weil „es alle so machen.“ Die bald im Grundgesetz neu aufgenommenen „Kinderrechte“ werden den Eltern solche Entscheidungen ohnehin aus der Hand nehmen. Auch die angestrebte Herabsetzung des Wahlalters ist ein deutliches Zeichen dafür, dass man den Enthusiasmus der Jugendlichen für eigene politische Zwecke (aus)-nutzen will. Schon 2002 hatte Olaf Scholz das Ziel vorgegeben, „die Hoheit über die Kinderbetten“ zu gewinnen. Nun ist das Ziel bald erreicht. 

German Angst

Dabei wird bei nüchterner und kritischer Betrachtung schnell klar, dass die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad durch noch so große Anstrengungen von Deutschland oder auch von der EU nicht gelingen kann, solange China, Indien und die afrikanischen Staaten nicht mitmachen. Ein Zahlenvergleich: Allein China und Indien haben 2,8 Milliarden Einwohner, Deutschland 0,083 Milliarden. Die Weltbevölkerung beträgt 7,8 Milliarden. Der Anteil Deutschlands daran beträgt also etwa 1%. Noch geringer ist der Anteil, wenn man die jeweiligen Landflächen in Relation setzt. Unsere Bemühungen in Deutschland können bestenfalls als Symbol und Beispiel gewertet werden, wenn sie nicht mitfühlend lächelnd der weltbekannten „German Angst“ zugeschrieben werden. 

Der Wirkungsgrad all dieser Anstrengungen ist nicht wirklich nachweisbar.

Ganz anders und sogar von unmittelbar heute und jetzt zu erfahrendem und erlebbarem Wirkungsgrad sind alle Bemühungen um einen Klimawandel in unserem  jeweiligen alltäglichen Miteinander und Füreinander. Anders als die Sorge um den Regenwald im fernen Brasilien sind zugewandte Aufmerksamkeit und Wertschätzung für unsere unmittelbare und nächste Umwelt wie Familie,   Freunde, Mitschüler und Nachbarn etc. von zentraler Bedeutung. Wie jeder täglich erfährt, ist hier ein Klimawandel dringend erforderlich. Der furchterfüllte und panikartig eingeengte Blick auf die CO2-Emissionen als Ursache für alle Naturkatastrophen verstellt und verhindert unseren Blick und unsere Sensibilität für die uns unmittelbar umgebenden Menschen mit ihren alltäglichen Sorgen und Befindlichkeiten. So ist es sicher eine größere Herausforderung für einen Schüler, einen tiefsitzenden Streit mit seinem Banknachbarn geschickt beizulegen als an der Demo von FFF teilzunehmen und dabei großzügig, wenn auch „schmerzlich“ auf Mathe, Englisch … zu verzichten.  Dabei ist Wiederherstellung und Pflege der Freundschaft mit entsprechendem Einfühlungsvermögen durchaus zu erreichen und hat als angenehme Begleiterscheinung ein Glückserlebnis für beide Seiten.

Hass und Hetze

Die wachsende Missachtung im sozialen Miteinander und in der Folge die zunehmende Verrohung führen täglich zu tiefen menschlichen Verletzungen und oft leider auch zu schlimmsten menschlichen Katastrophen. So stellt UNICEF im jüngsten Bericht (Okt. 2021) allarmierend fest, dass Suizide bei Jugendlichen in den letzten Jahren bedrohlich zunehmen. Alle 11 Minuten begeht ein Jugendlicher Suizid. In den sogenannten „sozialen“ Medien breiten  sich Hass und Hetze zu regelrechten Schmutzkampagnen aus und überschreiten oft jegliches erträgliche Maß. Mobbing im Netz gehört zum Alltag. In der Altersgruppe der 15 – 19-jährigen gehört Suizid zu den fünf häufigsten Todesursachen. Die Autorin Nicole Diekmann ist diesem aktuellen Problem in ihrem Buch „Die Shitstorm-Republik“ (KiWi-Verlag, Mai 2021) auf 300 Seiten nachgegangen. 

Wertewandel

Ein rasanter Wertewandel seit den letzten etwa 50 Jahren weg vom Menschenbild unserer christlich geprägten Tradition hin zu neuen „westlichen Werten“ hat das Wertebewusstsein bei vielen Menschen erheblich gestört und  zu tiefen Verwerfungen in unserer Gesellschaft geführt. Ein extremes Beispiel ist das „Menschenrecht auf Abtreibung“ (vgl. Matic‘-Bericht, vom EU-Parlament am 25.06.2021 mit Mehrheit angenommen). Werdende Mütter haben das Recht, über Leben oder Tötung ihres ungeborenen Kindes zu entscheiden. Während FFF-Demonstranten für die Rettung der Welt zugunsten „unserer Enkel und Urenkel“ auf die Straße gehen, haben sie offensichtlich  keine Sorgen, dass Kinder und damit auch künftige Enkel und Urenkel schon vor ihrer Geburt gezielt getötet werden. Der § 218 des Strafgesetzbuches, der ungeborene Kinder schützen soll, steht auf der Streichliste der nächsten Regierung, ebenso wie §219, der Abtreibungsärzten die Werbung für ihr todbringendes Handwerk verbietet.

„Kultur“ des Todes

Eine bekannte Abtreibungsärztin klagt in einem Interview mit einem öffentlich rechtlichen Sender, sie sei auf derartige Werbung (zum Töten) angewiesen, weil sie nur damit ihren Lebensunterhalt sichern könne, d.h. pointiert: Sie muss töten, um zu leben. Dieses Klima einer „Kultur“ des Todes ist unerträglich. Der Kampf für einen Klimawandel in unserer Gesellschaft ist dringend notwendig. Auch Menschen gehören zur Umwelt, und deshalb muss die Forderung nach mehr Umweltschutz konsequenter Weise den Schutz des menschlichen Lebens einschließen. Gerade die Schwächsten sind auf unseren Schutz und den Schutz des Staates angewiesen. In Deutschland geht das Statistische Bundesamt von etwa 100.000 Abtreibungen jährlich aus. Sollten diese sorgfältig geplanten und organisierten Tötungen vielleicht in 50 Jahren von einer – im Sinne Kants – aufgeklärten Regierungsmehrheit als „Mord“ eingestuft werden, müsste selbst die heutige Sekretärin einer Abtreibungspraxis sich wegen „Beihilfe zu x-fachem Mord“ vor Gericht verantworten, auch wenn sie dann vielleicht schon selbst über 90 Jahre alt ist; denn Mord ist von Verjährung ausgeschlossen. Ein Umdenken, eine Kehrtwendung und ein sofortiger Stopp dieser Fehlentwicklung sind dringend angezeigt.

Pandemie

Auch in der nunmehr schon zweijährigen Covid-Pandemie haben viele Menschen, vor allem Schutzbedürftige wie Kinder oder Senioren durch mangelnde soziale Kontakte gelitten. Erfreulicher Weise haben „35 führende Mediziner und andere Wissenschaftler ein Umsteuern in der Pandemiebekämpfung“ gefordert (KStA 13./14. Nov. 2021 Titelseite). Sie fordern in einem „dramatischen Appell“: „Wir empfinden eine tiefe Enttäuschung  über die Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und über den wiederholt nachlässigen Umgang mit dem Wohlbefinden der Menschen, die auf den Schutz des Staates angewiesen sind… Es ist für uns unverständlich, dass die Verantwortungsträger dieses Landes eine solche Situation zugelassen haben.“ Es gibt andererseits eine große Hilfsbereitschaft in Notsituationen und bewundernswertes ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich, was aber nach dem Motto „gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten“ wenig mediale Beachtung findet.

Statt Panik – Zuversicht

Statt Panik und Angst vor der Zerstörung der Welt brauchen wir verstärkt Hoffnung und Zuversicht und täglichen persönlichen Einsatz für den Zusammenhalt in Familie, sozialem Umfeld und in der Gesellschaft insgesamt. Mutter Theresa von Kalkutta hat das  in dem weltbekannten Interview mit einem Journalisten auf den Punkt gebracht. Auf die Frage, was sich ändern müsse, um die Welt zu retten, sagte sie kurz: „Du und ich.“ Das ist die Schlüsselerkenntnis, die Mutter Theresa in ihrem aufopferungsvollen Leben gefunden und auch im Alltag im Dienst an den hilfsbedürftigen Mitmenschen realisiert hat. Sie war eine Aktivistin der Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft – ein sehr harter und segensreicher Weg ohne wöchentliche Demos. 

Eine solche Schlüsselerkenntnis wie bei Mutter Theresa oder auch andere eigene tiefgreifende Erlebnisse und Erfahrungen haben immer wieder und auch heute das Potenzial, junge Menschen aufzurütteln und zu einer selbständigen kritischen Reflexion des Istzustands zu verhelfen.

Zu guter Letzt

Wie schwierig heute selbst eine Mutter-Kind-Beziehung sein kann, zeigt das Buch der Wissenschaftsjournalistin Michaeleen Doucleff, das 2021 bei Kösel erschienen ist. Sie beschreibt dort ausführlich, welche Probleme sie als alleinerziehende Mutter in der Beziehung zu ihrer vierjährigen Tochter Rosy erlebte. „Jeden Tag Wutanfälle und Machtkämpfe.“ Sie war „an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht weiterwusste“. Erst als sie auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan Maya-Eltern mit ihren Kindern beobachtet hatte, stellte sie völlig beeindruckt und staunend fest, „wie sanft, locker und ohne Drama sie mit einander umgingen. Die Kinder verhielten sich respektvoll, friedlich und kooperativ nicht nur ihren Eltern (es gab sogar einen Vater), sondern auch ihren Geschwistern  gegenüber.“ Die Einsicht: Hier hilft nur „Lernen von indigenen Völkern.“ Sie wollte „herausfinden, wie die Kindererziehung bei indigenen Völkern aussieht, wo die Geheimnisse stecken.  Dazu lebte sie mit Rosy einige Monate bei den Maya (Yukatan), den Hadza in Tansania und den Inuit in Grönland. „Rosy und ich schlafen in einer Hängematte  unter dem Maya-Vollmond…“ Sicher alles gute und praktikable Tipps , die „westliche Eltern“ ohne Weiteres zur Nachahmung verleiten. Empfehlenswerter und erfolgversprechender ist hier sicher ein Blick in die zahlreichen Veröffentlichungen der Kinderpsychotherapeutin Christa Mewes oder der Frankl-Schülerin Elisabeth Lukas.  Die Erziehung zu Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit in der Familie und für andere darüber hinaus ist für „westliche Eltern“ auch ohne Weltreise zu indigenen Völkern eine erfolgversprechende Aufgabe. 

So ist ein Klimawandel ohne Pariser Klimaabkommen und ohne eine Konferenz von ca. 200 Staatschefs in Glasgow zu erreichen, erst recht wenn man weiß, dass viele von ihnen im eigenen Land die Menschen unterdrücken und für Bürgerkriege, Korruption und Armut ihrer Einwohner verantwortlich sind.  

Das zwischenmenschliche Klima mit der Achtung der Würde jedes Menschen vom Beginn bis zum natürlichen Ende seines Lebens ist bestimmend für das seelische Wohlbefinden und ein gelingendes Leben, und zwar jetzt, nicht erst in fernen Jahren. Ein derartiger Klimawandel ist heute und morgen die wichtige Herausforderung an jeden Einzelnen.