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Familie hat die wesentliche Verantwortung in der Erziehung

Es ist jedoch einsichtig, dass bei der Erziehung und Ausbildung im Glauben der Familie eine eigene und wesentliche Sendung und vorrangige Verantwortung zukommt. Durch die Eltern nämlich erblickt das Kind das Licht des Lebens und macht die erste und entscheidende Erfahrung der Liebe, einer Liebe, die in Wirklichkeit nicht nur menschliche Liebe ist, sondern ein Widerschein der Liebe Gottes zu ihm. Daher müssen die christliche Familie, die kleine »Hauskirche« (vgl. Lumen gentium, 11), und die größere Familie der Kirche vor allem im Hinblick auf die Kindererziehung eng zusammenarbeiten. All das, was in den drei Jahren herangereift ist, in der unsere Diözesanpastoral auf besondere Weise der Familie gewidmet war, muss daher nicht nur umgesetzt, sondern weiter gefördert werden. Zum Beispiel haben die Versuche, die Eltern und Paten vor und nach der Taufe stärker einzubeziehen, um ihnen dabei zu helfen, ihre Sendung als Erzieher im Glauben zu verstehen und zu erfüllen, bereits zu guten Ergebnissen geführt und verdienen es, fortgesetzt und Gemeingut jeder Pfarrei zu werden. Dasselbe gilt für die Teilnahme der Familien an der Katechese und am ganzen Weg der christlichen Initiation der Kinder und Jugendlichen.

Hilfe für die Ehe in der Krise

Gewiss sind viele Familien auf eine solche Aufgabe nicht vorbereitet, und es gibt auch diejenigen, die an einer christlichen Erziehung ihrer Kinder nicht interessiert sind oder die sogar dagegen sind. Hier werden auch die Folgen der Krise spürbar, in der sich viele Ehen befinden. Selten begegnet man jedoch Eltern, denen die menschliche und sittliche Erziehung ihrer Kinder vollkommen gleichgültig ist und die daher nicht bereit sind, sich bei der Erziehungsarbeit helfen zu lassen, die als immer schwieriger empfunden wird. Es tut sich daher ein Raum auf, in dem der Einsatz und der Dienst unserer Pfarrgemeinden, Oratorien, Jugendgruppen und vor allem der christlichen Familien selbst gefordert ist. Diese sind dazu aufgerufen, anderen Familien zur Seite zu stehen, um ihnen Halt zu geben und sie bei der Kindererziehung zu unterstützen, um ihnen zu helfen, den Sinn und Zweck des Ehelebens wiederzufinden. Wir gehen jetzt über zu anderen Themen hinsichtlich der Erziehung zum Glauben.

Bedeutung der Freundschaft – Erziehung zur Freiheit

Mit zunehmendem Alter wird natürlich in den Jugendlichen der Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit immer stärker, der besonders bei Heranwachsenden leicht zu einer kritischen Distanzierung von der eigenen Familie führt. Jetzt ist die Nähe des Priesters, der Ordensfrau, des Katecheten oder anderer Erzieher, die dem Jugendlichen die Freundschaft der Kirche und die Liebe Christi konkret vermitteln können, besonders wichtig. Um positive und dauerhafte Auswirkungen zu haben, muss diese Nähe von dem Bewusstsein geprägt sein, dass die Erziehung eine Begegnung in Freiheit ist und dass die christliche Erziehung selbst Ausbildung zur wahren Freiheit ist. Es gibt in der Tat kein wahres Erziehungsangebot, das nicht zu einer Entscheidung ermutigte, auch wenn dies respektvoll und liebevoll geschehen muss, und das christliche Angebot hinterfragt die Freiheit bis auf den Grund und ruft sie zum Glauben und zur Umkehr auf.

Mut zu endgültigen Entscheidungen

In Verona habe ich auf dem Kongress der katholischen Kirche in Italien gesagt: »Wahre Erziehung muss wieder Mut machen zu endgültigen Entscheidungen, die heute als Bindungen betrachtet werden, die unsere Freiheit beschneiden, die aber in Wirklichkeit unverzichtbar sind, um zu wachsen und etwas Großes im Leben zu erreichen, und insbesondere um die Liebe in ihrer ganzen Schönheit heranreifen zu lassen: um also der Freiheit selbst Beständigkeit und Bedeutung zu verleihen«. (Ansprache an die Kongressteilnehmer am 19. Oktober 2006; in O.R. dt., Nr. 43, 27.10.2006, S. 8). Wenn die Jugendlichen spüren, dass sie in ihrer Freiheit geachtet und ernstgenommen werden, dann sind sie trotz ihres Wankelmuts und ihrer Schwachheit durchaus bereit, sich von anspruchsvollen Angeboten hinterfragen zu lassen, und sie fühlen sich von diesen sogar angezogen und sind oft fasziniert. Sie wollen auch ihre Großherzigkeit zeigen in der Hingabe an die großen und ewigen Werte, die dem Leben zugrunde liegen.

Intellektuelle Neugierde ernst nehmen

Der wahre Erzieher nimmt auch die intellektuelle Neugierde ernst, die bereits bei Kindern vorhanden ist und die im Laufe der Jahre stärker ins Bewusstsein tritt. Der junge Mensch von heute, der durch die Informationsvielfalt und die gegensätzlichen Ideen und Erklärungen, die ihm ständig geboten werden, herausgefordert wird und oft verwirrt ist, trägt dennoch ein großes Bedürfnis nach Wahrheit in sich. Daher ist er offen für Jesus Christus, denn dieser hat, wie Tertullian in Erinnerung ruft, »gesagt, ›ich bin die Wahrheit‹, nicht, ich bin die Gewohnheit« (De virginibus velandis, I,1). Wir müssen versuchen, die Frage nach der Wahrheit zu beantworten, indem wir ohne Ängste das Angebot des Glaubens der Vernunft unserer Zeit gegenüberstellen. So können wir den jungen Menschen helfen, ihren geistigen Horizont zu erweitern, sich zu öffnen gegenüber dem Geheimnis Gottes, der dem Leben Sinn und Orientierung gibt, und den Einfluss einer Rationalität zu überwinden, die nur den Dingen Vertrauen schenkt, die Gegenstand von Experimenten und Berechnungen sein können. Daher ist es sehr wichtig, eine »Pastoral der Intelligenz«, wie wir sie bereits im vergangenen Jahr genannt haben, zu entfalten.

Erziehung braucht Autorität

Die Erziehungsarbeit findet durch die Freiheit statt, aber sie braucht auch Autorität. Daher steht besonders bei der Erziehung zum Glauben die Gestalt des Zeugen und die Rolle des Zeugnisses im Mittelpunkt. Der Zeuge Christi gibt nicht einfach nur Informationen weiter, sondern er hat eine persönliche Beziehung zur Wahrheit, die er anbietet, und durch die Konsequenz seines eigenen Lebens wird er zum glaubwürdigen Bezugspunkt. Er verweist jedoch nicht auf sich selbst, sondern auf einen, der unendlich viel größer ist als er selbst, dem er vertraut und dessen zuverlässige Güte er erfahren hat. Der wahre christliche Erzieher ist also ein Zeuge, dessen Vorbild Jesus Christus ist, der Zeuge des Vaters, der nichts im eigenen Namen tat, sondern das sagte, was ihn der Vater gelehrt hatte (vgl. Joh 8,28). Diese Beziehung zu Christus und zum Vater ist für jeden von uns, liebe Brüder und Schwestern, die Grundbedingung, um fruchtbringende Erzieher im Glauben zu sein.

Auch Jugendliche müssen Zeugen sein

Sehr zu recht behandelt unsere Tagung nicht nur die Erziehung zum Glauben und zur Nachfolge, sondern auch die zum Zeugnis für Jesus, dem Herrn. Nicht nur die Priester, die Ordensfrauen und die Laien, die in unseren Gemeinden erzieherisch tätig sind, sollen aktiv Zeugnis geben von Christus, sondern auch die Jugendlichen selbst und all diejenigen, die im Glauben erzogen werden. Das Bewusstsein um die eigene Berufung, Zeugen Christi zu werden, ist daher nicht etwas, was später hinzugefügt wird – eine außerhalb der christlichen Erziehung anzusiedelnde Folgeerscheinung, wie man leider oft geglaubt hat und auch heute noch glaubt –, sondern es ist im Gegenteil eine Dimension, die der Erziehung zum Glauben und zur Nachfolge als wesentliches Element innewohnt, so wie die Kirche ihrem Wesen nach »missionarisch« ist (vgl. Ad gentes, 2).

Von der frühen Kindeserziehung an und dann bis hin zur ständigen Ausbildung der erwachsenen Christen muss also der Wille und die Überzeugung, in allen Lebenslagen an der missionarischen Berufung der Kirche teilzuhaben, im Herzen der Gläubigen fest verankert werden. Wir können nämlich die Freude am Glauben nicht für uns behalten, wir müssen sie mitteilen und weitergeben, und sie so auch in unseren Herzen stärken. Wenn der Glaube wirklich zur Freude wird, die Wahrheit und die Liebe gefunden zu haben, dann muss man einfach den Wunsch verspüren, ihn weiterzugeben ihn den anderen zu vermitteln. Die Neuevangelisierung, zu der unser geliebter Papst Johannes Paul II. uns aufgerufen hat, findet zu einem großen Teil auf diesem Weg statt. Eine konkrete Erfahrung, durch die in den Jugendlichen der Pfarreien und der verschiedenen kirchlichen Vereinigungen der Wille zum Zeugnis für den eigenen Glauben wachsen kann, ist die »Jugendmission«, die in Planung ist, nachdem die große »Stadtmission« positive Ergebnisse erbracht hat.

Bedeutung katholisch geprägter Schulen

Bei der Erziehung zum Glauben ist der katholischen Schule eine sehr wichtige Aufgabe anvertraut. Sie stützt sich nämlich auf einen Bildungsplan, bei dem das Evangelium als entscheidender Bezugspunkt für die Ausbildung der Person und das ganze kulturelle Angebot im Mittelpunkt steht, und auf diese Weise kommt sie ihrer Sendung nach. In überzeugter Zusammenarbeit mit den Familien und mit der kirchlichen Gemeinschaft versucht die katholische Schule also, jene Einheit zwischen dem Glauben, der Kultur und dem Leben zu fördern, die das wesentliche Ziel der christlichen Erziehung ist. Auch die staatlichen Schulen können, wenn auch in anderer Form und auf andere Weise, in ihrer Erziehungsaufgabe Unterstützung erhalten durch die Anwesenheit gläubiger Lehrer – vor allem, aber nicht ausschließlich, der Lehrer für katholische Religion – und christlich erzogener Schüler und auch durch die Mitarbeit vieler Familien und der christlichen Gemeinde.

Die gesunde Laizität der Schule wie auch der anderen staatlichen Einrichtungen impliziert keineswegs eine Verschlossenheit gegenüber der Transzendenz und auch keine falsche Neutralität gegenüber jenen sittlichen Werten, die die Grundlage sind für eine authentische Erziehung der Person. Entsprechendes gilt natürlich auch für die Universitäten, und es ist wirklich ein gutes Zeichen, dass die Universitätspastoral in Rom sowohl unter den Dozenten als auch unter den Studenten an allen Universitäten Verbreitung gefunden hat und dass eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den zivilen und den päpstlichen akademischen Einrichtungen stattfindet.

Die Massenmedien als Miterzieher

Stärker als in der Vergangenheit stehen Erziehung und Bildung des Menschen heute unter dem Einfluss der Botschaften und des weit verbreiteten Klimas, die von den Massenmedien vermittelt werden. Diese orientieren sich an einer Mentalität und an einer Kultur, die geprägt sind vom Relativismus, vom Konsumismus und von einer falschen und destruktiven Verherrlichung, oder besser Entweihung, des Körpers und der Sexualität. Als Christgläubige sagen wir ein klares »Ja« zum Menschen, der von Gott geliebt ist, und eben deshalb können wir der Gesamtausrichtung unserer Gesellschaft, den Tendenzen, die sie beseelen, und den positiven oder negativen Einflüssen, die sie auf die Erziehung der jungen Generationen ausübt, natürlich nicht gleichgültig gegenüberstehen. Bereits die Anwesenheit der Gemeinschaft der Gläubigen, ihr Einsatz im erzieherischen und im kulturellen Bereich und die Botschaft des Glaubens, des Vertrauens und der Liebe, deren Trägerin sie ist, sind in Wirklichkeit ein unschätzbarer Dienst am Gemeinwohl und besonders an den jungen Menschen, die für das Leben erzogen und ausgebildet werden.

Erziehung zum Glauben schließt die Frage nach der Berufung ein

Liebe Brüder und Schwestern, ich möchte eure Aufmerksamkeit noch auf einen letzten Punkt lenken. Er ist für die Sendung der Kirche äußerst wichtig und verlangt unseren Einsatz und vor allem unser Gebet: die Berufungen zum Priesteramt und zum geweihten Leben, um Jesus, dem Herrn, aus nächster Nähe nachzufolgen. Erfreulicherweise hat die Diözese Rom in den letzten Jahrzehnten das Geschenk vieler Priesterweihen erhalten. Dadurch konnten Lücken, die in der Zeit davor entstanden waren, gefüllt werden, und man konnte auch den Anfragen nicht weniger Schwesterkirchen entgegenkommen, in denen Priester benötigt wurden. In letzter Zeit jedoch sehen die Zeichen weniger günstig aus. Das spornt unsere Diözesangemeinschaft an, den Herrn erneut mit Demut und Vertrauen um Arbeiter für seine Ernte zu bitten (vgl. Mt 9,37–38; Lk 10,2).

Wir müssen – stets einfühlsam und respektvoll, aber auch deutlich und mutig – die jungen Männer und Frauen, die von der Freundschaft mit Jesus am stärksten angezogen und fasziniert zu sein scheinen, auf besondere Weise zur Nachfolge einladen. Im Hinblick darauf wird die Diözese einige junge Priester dazu bestimmen, sich besonders um die Berufungen zu kümmern. Wir wissen jedoch auch, dass das Entscheidende in diesem Bereich das Gebet und die Qualität unseres christlichen Zeugnisses ist, das Vorbild der Priester und der geweihten Personen sowie die Großherzigkeit der berufenen Personen und der Familien, aus denen sie kommen.

Liebe Brüder und Schwestern, ich vertraue euch diese Überlegungen an als Beitrag zum Dialog dieser Abende und zur Arbeit des nächsten Pastoraljahres. Möge der Herr uns stets die Freude schenken, an ihn zu glauben, in seiner Freundschaft zu wachsen, ihm auf dem Weg des Lebens zu folgen und in jeder Situation von ihm Zeugnis abzulegen, um denen, die nach uns kommen, den großen Reichtum und die Schönheit des Glaubens an Jesus Christus zu übermitteln. Meine Liebe und mein Segen begleiten euch bei eurer Arbeit.