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Der hl. Thomas von Aquin sagt, dass die Freigebigkeit, welche die Liebe zum Geld und zu den materiellen Gütern mäßigt, um es großzügig in den Dienst großer Werke zu stellen, auch ein Teil der Tugend des Starkmutes sei. Das Gegenteil wäre die Knauserei gegenüber den Dingen Gottes und des Gemeinwohls.

Die Textauszüge entstammen dem Buch Die Tugenden – Werte zum Leben von Pia Bühler. Es ist im Sankt Ulrich Verlag erschienen, mit dessen freundlicher Genehmigung wir sie übernommen haben. Das Copyright verbleibt beim Verlag. 

Die Großzügigkeit

In einem Brief an seine Verwandten schrieb der hl. Kajetan: „Ich sehe Christus arm und mich reich, ihn verachtet und mich geehrt. Ich will ihm einen Schritt näher kommen und habe deshalb beschlossen, alles aufzugeben, was ich noch an zeitlichen Gütern besitze.“ Der hl. Abt Kolumban sagte: „Bedenke nicht, was du bist, armer Mensch, sondern bedenke, was du sein wirst. Was du bist, ist ein Augenblick, was du sein wirst, ist immer.(…) Was die Geizigen nicht für Christus hergeben wollen, das verlieren sie alle zu ungelegener Zeit. Andere sammeln es nach ihnen ein. Im Leben wagt der Geizige kaum, Gott etwas Geringes zu schenken; im Tod lässt er alles zurück, nichts bleibt ihm davon übrig.“ Die wunderschönen, großen Kathedralen von einst sind ein plastisches Beispiel von Großzügigkeit.

Laut der Liturgiekonstitution Sacrosanctum concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils hat sich die Kirche seit den ersten Zeiten mit spezieller Aufmerksamkeit darum bemüht, die heiligen Gegenstände mit Würde und voller Schönheit in den Dienst des Kultes zu stellen. Die Großzügigkeit im Kult ist Gott sehr wohlgefällig. Christus drückt es mit eigenen Worten aus. Als Maria im Haus des Lazarus ein Pfund echten, kostbaren Nardenöls nahm, die Füße Jesu damit salbte und sie mit ihren Haaren trocknete, wunderte sich Judas Iskariot, dass sie dieses teure Öl „verschwende“. Jesus aber entgegnete ihm: „Laß sie! Für den Tag meines Begräbnisses sollte sie es aufbewahren. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit“ (Joh 12,7 f.).

Die Geduld

Der hl. Augustinus definiert die Geduld als die Tugend, die uns die Übel guten Mutes ertragen lässt, so dass sie uns nicht traurig machen. Geduld also in den unangenehmen Situationen und Schwierigkeiten des gewöhnlichen Lebens. Es zeugt von Unausgeglichenheit, angesichts der Widerwärtigkeiten des Tages, die sich leicht aufbauschen, schlechter Laune oder unfreundlich zu sein. Wutausbrüche vor einem Problem im Straßenverkehr, Verdruss bei Problemen in der Arbeit, Traurigkeit angesichts eines Misserfolgs zeigen an, daß einem noch die Stärke eines Christen fehlt, der auch in den Widerwärtigkeiten die Hand Gottes sieht.

Der hl. Paulus schreibt den Römern: „Wir sind auch froher Stimmung in den Drangsalen, da wir wissen, dass die Drangsal Geduld wirkt, die Geduld Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung.“ Der Evangelist Lukas bringt es auf den Punkt: „Durch eure standhafte Ausdauer werdet ihr eure Seele retten“. Geduld müssen wir „auch den uns Nahestehenden entgegenbringen, erst recht, wenn wir für sie in besonderer Weise verantwortlich sind. Es wäre unrealistisch, so zu tun, als dürften die Menschen um uns keine Unzulänglichkeiten haben. Sie haben sie – wie wir –, und sie sind ein Prüfstein für unsere Verständnisfähigkeit.

Wenn uns die Pflicht gebietet, sie einmal zu tadeln, werden wir versuchen, es gelassen und geduldig zu tun: im rechten Augenblick, was oft bedeutet, nicht gleich zu reagieren, sondern abzuwarten. Die Geduld kühlt die gereizte Augenblicksstimmung ab: in gelassener Atmosphäre gibt sie unserer Ermahnung einen objektiven Charakter. Es wird deutlich, dass wir um der Sache willen tadeln, und nicht wegen einer subjektiven Stimmung. Und gelegentlich können auf diese Weise Menschen, die wir für unverbesserlich hielten, nachdenklich werden“ (Carjaval, Meditationen II, S. 211 f.).

Der hl. Johannes Chrysostomus empfiehlt: „Wiederhole deine Ermahnungen immer wieder, doch niemals unwillig; gehe immer mit Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit vor. Hast du etwa noch nicht gesehen, mit welcher Sorgfalt ein Maler manchmal seinen Entwurf löscht und ihn dann wieder überarbeitet, um ein schönes Antlitz wiederzugeben?“ Der Starkmütige zeichnet sich auch durch Gelassenheit aus. „Er ist fähig, anderen Menschen Halt und Sicherheit zu geben. Er vermag seine Phantasie, die manchmal das Fürchten lehrt, zu beherrschen, die Nerven zu wahren und über Kleinigkeiten zu stehen, um sich nicht vom Wesentlichen ablenken zu lassen. Er handelt nicht, weil er Lohn und Lob ernten will, sondern weil er das in Wahrheit Gute will“ (Rhonheimer, Die Perspektive der Moral, S. 215).

Übertriebene Gelassenheit hat jedoch nichts mit christlicher Geduld zu tun. Man kann sich nicht mit einem Minimum zufriedengeben, wenn man viel mehr leisten könnte im Dienst an Gott und den Menschen, das zeigt das Gleichnis von den Talenten (vgl. Mt 25,14–30). Aber auch überstürztes Handeln ist ein Zeichen von Ungeduld. Es geht nicht darum, daß wir unsere Pflichten in Hektik verrichten, sondern darum, sie kontinuierlich, nach dem Schrittmaß Gottes zu erfüllen.