Montag, 27 Juni, 2022

Koedukation und getrennte Erziehung (Doppelheft)

Ingbert von Martial

Nummer: 51

5,00 €


„Ist der gemeinsame Schulunterricht für Jungen und Mädchen ein historischer Irrtum?“ – Das fragt „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe vom 16. März 1998.

Seit der fast flächendeckenden Einführung der Koedukation in den Schulen der Bundesrepublik Deutschland vor 30 Jahren ist die Diskussion über Vor- und Nachteile dieser Erziehungsform nicht abgebrochen. Prof. Dr. Ingbert von Martial gibt in Heft 51 eine Übersicht über den aktuellen Stand der Diskussion. Den Anstoß zu seiner Schrift gab ein Vortrag, den er im Mädchengymnasium Jülich gehalten hat.

Seine Arbeit beruht vor allem auf einem gründlichen Studium der sehr umfangreichen Literatur zu diesem Thema. Wichtig für ihn bleibt unter anderem die Frage: Welche angeborenen und welche im Verlauf der Entwicklung erworbenen geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt es zwischen Jungen und Mädchen? Wie und in welchem Umfang können und sollen diese Unterschiede bei der Gestaltung von Schule und Unterricht berücksichtigt werden?

Empirische Untersuchungen liefern Ergebnisse, die uneingeschränkte Befürworter der Koedukation in gleicher Weise überraschen wie eher skeptische Feministinnen. Da Mädchen beispielsweise in den naturwissenschaftlichen Fächern in Mädchenschulen bessere Ergebnisse erzielen als in Koedukationsschulen, forderte die Schulministerin von NordrheinWestfalen erst vor kurzem wieder getrenntgeschlechtlichen Unterricht in Physik und Informatik. Neuerdings spricht man von „reflexiver Koedukation“.
Allgemein anerkannt wird, daß die Ausrichtung des getrenntgeschlechtlichen Unterrichts an den individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler sich positiv auf den Erfolg des Unterrichts auswirkt.

Die vorliegende Schrift setzt sich mit den Argumenten der Befürworter und der Gegner der getrennten Erziehung und mit vielen anderen Aspekten der getrennten und der koedukativen Erziehung – vor allem auch mit grundsätzlichen anthropologischen Fragen – auseinander. Sie bietet daher Eltern und Lehrern Entscheidungshilfen, wenn es darum geht, die jeweils beste Schule für die Kinder zu wählen.

Ingbert von Martial, Prof. Dr., lehrt Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn. Aus seiner Feder stammen Schriften zu verschiedenen philosophischen und erziehungswissenschaftlichen Themen. Buchveröffentlichungen aus den letzten Jahren sind:
„Sexualerziehung und Elternrecht“ (1990), „Geschlechtserziehung in der Schule“ (1991), „Einführung in schulpraktische Studien“ (1994, 5. Aufl. 1998; zusammen mit J. Bennack), „Schulpädagogik heute“ (1994; hrsg. zusammen mit H. Ludwig und U. Pühse), „Einführung in didaktische Modelle“ (1996).