Lesezeit: ≈ 6 Minuten

Kinder zu erziehen ist harte Arbeit, wird aber 10mal härter, wenn Kinder nie gelernt haben, die Eltern ernstzunehmen und zu tun, was ihnen gesagt wird. 

Als Elter hat man ein Recht, respektiert zu werden und Kinder müssen gehorchen lernen. Die vier E’s – Erwarte, Erkläre, Ermögliche und Erzwinge können Kindern helfen, die Autorität der Eltern zu respektieren und zu verstehen, warum Gehorsam gegenüber Mutter und Vater eine Tugend ist, aber auch eine Hilfe, das Zuhause zu einem glücklicheren Ort für alle zu machen. 

Über 50 Jahre Forschung belegt, dass autoritative Elternschaft erfolgreich ist. 

Diese Erziehungsmethode: 

  • Berücksichtigt Gehorsam gegenüber elterlichen Anforderungen ebenso, wie die Unabhängigkeit des Kindes 
  • Erklärt Gründe für Regeln und fördert Geben und Nehmen 
  • Fordert Standards mit Festigkeit, doch betrachtet sich nicht selbst als unfehlbar 
  • Hört dem Kind zu, doch fällt Entscheidungen nicht unbedingt nach den Wünschen des Kindes 

In jeder Hinsicht sind autoritative Eltern die erfolgreichsten Erzieher vertrauensvoller, kompetenter und sozial verantwortlicher Kinder. Ein 25 jähriges Mädchen hat den Ansatz gut verstanden, als sie ihre Eltern als standfest, aber demokratisch beschrieb. 

Die vier E’s – Erwarte, Erkläre, Ermögliche und Erzwinge machen einen großen Anteil an der autoritativen Erziehung aus und sind einfach notwendig, die Tugend des Gehorsams zu lehren. 

Die ersten E’s – Erwarte und Erkläre, 

Die beiden ersten E’s gehören zusammen. Man formuliere klare und spezifische Erwartungen und begründet sie: Zieh nicht die Katze am Schwanz – es tut ihr weh. Du darfst nicht mit dem Messer spielen – Du könntest dem Baby wehtun. 

Selbst, wenn kleine Kinder nicht alle Worte verstehen, hören sie doch am Ton den Sinn der Zurechtweisung und so sind die Chancen gegeben, dass sie verstehen: Wenn es eine Regel gibt, hat es auch seinen Grund. 

Gründe lehren Kinder, dass Regeln nicht beliebig sind, sondern auf Liebe basieren- darauf nämlich, was gut für sie und für andere ist. Dies zu verstehen fördert Folgsamkeit. Studien belegen, dass Teens durchaus Familienregeln respektieren, wenn sie einsehen, dass sie aus der Sorge der Eltern für ihr Wohlergehen motiviert sind. Regeln zu begründen hilft auch, das Gewissen zu bilden: die Fähigkeit der Kinder, einen Grund zu finden, das Richtige zu tun.

Hier ein paar Beispiele für Erwarte und Erkläre

  • „Sag bitte, wenn Du etwas möchtest, es zeugt von guten Manieren und freut mich.“. 
  • „Schau mich bitte an, wenn ich mit Dir rede, dann weiß ich, dass Du mir zuhörst“. 
  • „Räum‘ Deine Spielsachen weg, damit niemand darüber fällt“.  
  • „Ruf‘ mich an, oder schreib‘ mir ein SMS, wenn Du später kommst, dann mache ich mir keine Sorgen“. 

Das „Gehorsams-Gespräch” 

Wenn es Schwierigkeiten gibt, Autorität zu zeigen und die Kinder dazu zu bringen, zu gehorchen, kann es sein, dass sie nie verstanden haben, dass Kinder ihren Eltern ebenso zu gehorchen haben, wie ihren Lehrern in der Schule. Wenn es vorher nie thematisiert wurde, empfehle ich dringend, ein Gehorsams-Gespräch zu führen. Man hilft ihnen am besten in einem ruhigen, liebevollen aber ernsten Gespräch, folgendes zu verstehen:

  • „Mütter und Väter haben die Aufgabe, alle Belange der Familie zu regeln. Kinder müssen ihren Eltern gehorchen und tun, was man ihnen aufträgt. Das erst macht den Haushalt zu einem glücklichen Platz für alle.“
  • Dasselbe gilt für die Schule: Kinder müssen tun, was der Lehrer ihnen sagt. So wird das Klassenzimmer zu einem Ort, wo man lernt und Dinge wirklich erledigen kann.
  • Wenn wir also sagen, komm zum Essen, räum Deine Spielsachen weg, geh‘ ins Bett, muss das Kind gehorchen. Ein „Nein“ ist nicht erlaubt. 
  • Vergisst Du das, werden wir Dich einmal daran erinnern: Denk an unser Gespräch über Gehorsam! Wenn Du weiterhin unfolgsam bist, musst Du die Konsequenzen, wie z.B. Stubenarrest tragen.
  • Wir haben es lieber, wenn Du froh gehorchst, ohne Dich zu beschweren. Beschwerden machen alle mürrisch. Froh zu gehorchen macht uns glücklich. 
  • Okay, kannst Du zusammenfassen, was ich sagte? (Geh‘ nochmal geduldig alle Punkte durch)“

Der große Gedanke, den wir transportieren wollen ist der, dass Gehorchen eine Tugend ist. Kinder sollen ermutigt werden, zu gehorchen, nicht aus Angst, was ein schlechtes Motiv ist, sondern aus Liebe um den Eltern und der ganzen Familie eine Freude zu machen. In diesem Sinne ist Gehorsam ein erster Schritt, Kooperation zu erlernen, also auf die Bedürfnisse anderer zu achten. 

Das dritte E: Ermögliche 

Das nächste E ist ermögliche— das bedeutet, Wege zu finden, die es Kindern erleichtert, das zu tun, was man von ihnen verlangt. Vielleicht müssen wir das Verhalten, das wir wünschen, demonstrieren und trainieren, ähnlich wie bei einem sportlichen Training. Zum Beispiel:

  • „Ich zeige Dir mal, wie man nett um etwas bittet, statt einfach zuzulangen.“ 
  • „So fragt man freundlich um etwas…“
  • „So zeigst Du, dass Du meine Gefühle verstanden hast: Mama, Ich höre dass Du sagst…“
  • „So zeigst Du, dass Du wirklich bedauerst, was Du getan hast: Es tut mir leid, bitte verzeih‘ mir“
  •  Man kann auch um eine Wiederholung bitten:
  • „Wie wäre es, wenn Du es nochmal versuchst: Könntest Du das etwas respektvoller sagen?“
  • „Könntest Du das Deiner Schwester mit freundlicheren Worten sagen?“

Um eine Wiederholung zu bitten, drückt Vertrauen aus, dass die Kinder das Gewünschte wirklich tun können. Dann lobe und danke auch dafür, wenn sie es getan haben. 

Wir haben 15 Enkelkinder. Unsere Jüngste, Mira, gerade 2 geworden, ein sehr starrköpfiges Kind, hatte ihre Bauklötze überall auf dem Boden liegen, als sie aufhörte, damit zu spielen. Ich kniete bei ihr nieder und sagte zu meiner Frau: „Bella, ich wette, dass Mira weiß, wie sie die Klötze am besten aufräumt und ich begann, einige davon in eine Plastikbox zu legen. Mira war schnell zur Hand und ich sagte ein paarmal, „Prima, das machst Du gut“. Wenn sie etwas älter wird, werden wir sie ermutigen, uns zu zeigen, dass sie es ganz alleine schafft. 

Ermöglichen kann auch so aussehen, dass man einen Weg findet, das gewünschte Verhalten hervorzurufen, ohne Widerstand zu erzeugen. Wenn Mira etwas will bringt es oft nichts, sie aufzufordern, „Bitte“ zu sagen; sie wird dann leicht bockig. Doch wenn wir fragen „Was sollst Du sagen?“ antwortet sie „Bitte“. 

Als unser Jüngster gerade 5 war, entdeckten wir eine neue Strategie, seinen Gehorsam zu ermöglichen. Es gab immer Schwierigkeiten, ihn bei einem Freund am Ende der Spielzeit abzuholen; er protestierte und wollte einfach nicht mitkommen. Wir machten deshalb einen Plan und erinnerten ihn: „Matthew, dies ist eine Gelegenheit, zu gehorchen“. Das half. 

Das vierte E: Erzwinge

Das vierte E bedeutet Erzwingung des Erwarteten. Wenn man diesen Punkt beiseitelässt, bricht das ganze Erziehungstraining zusammen. Was also ist zu tun, wenn Kinder nicht tun, was von ihnen verlangt wird? 

Das Wichtigste ist, sie für die Erwartung zur Verantwortung zu ziehen, damit sie diese jetzt und in Zukunft ernst nehmen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, dies zu erreichen; man muss selbst entscheiden, welche am besten passt und notfalls eine andere versuchen. 

  • Gib die Möglichkeit, es noch einmal zu versuchen: „Nochmal, bitte. Es ist Zeit, ins Bett zu gehen“.
  • Bring eine Regel ins Spiel: „Was soll mit dem Spielzeug geschehen, wenn Du mit Spielen fertig bist?“ 
  • Wenn es passt, biete eine Wahlmöglichkeit an. Wenn ein Zweijähriger nicht beim Spaziergang Deine Hand halten will, könntest Du sagen: „ Ich möchte nicht, dass Du unter ein Auto kommst. Willst Du meine Hand halten, oder soll ich Dich tragen“? 
  • Appell an eine wichtige Tugend: „Wie kannst Du zeigen, dass Du gehorchst / mitwirkst / gute Manieren an den Tag legst?“
  • Zeige Erwartungshaltung: „Was könntest Du tun, mich glücklich zu machen“? 
  • Bring ruhig die Konsequenz des Nichtgehorsams in Erinnerung: „Was wird passieren, wenn Du nicht gehorchst“? Hierzu muss ein Repertoire von Konsequenzen vorhanden sein, das z.B. nach einer Erinnerung greift, wie der Verlust eines Privilegs etc.
  • Ebenso notwendig ist ein Repertoire positiver Motivation: „Wenn Du Deine Hausaufgaben erledigt hast, kannst Du nach draußen gehen, fernsehen, oder spielen. Aber nicht vorher.“ 

Verändere die Regeln, wenn es nötig erscheint. Bedenke, dass autoritative Eltern sich keinesfalls unfehlbar dünken und ihren Kindern durchaus Sitz und Stimme bei familiären Entscheidungen geben. 

Kinder mit extremen Verhaltensproblemen 

Ein wohl strukturierter Verhaltensplan, der sich an den 4 E’s orientiert, kann durchaus bei schwierigen Kindern helfen. 

Vor ein paar Jahren machte ein Lern-Zentrum in Oregon von sich reden, weil sie Erfolge hatten, bisher unkontrollierbare Kinder dazu zu bringen, ihren Eltern zu gehorchen. Diese Kinder wiesen selbst die vernünftigsten Ansinnen zurück. Ein Junge fiel besonders auf, weil er in seinen Wutanfällen seine Exkremente auf den Wänden des Wohnzimmers verteilte. Seine allein erziehende Mutter hatte keine Vorstellung, wie sie damit fertig werden könnte. Das Lern-Zentrum wies die Mutter an, ihrem Sohn Zeit zum Gehorchen zu geben, bis sie bis 15 gezählt habe. Sie erklärte ihm das System so: Wenn er bis 15 nicht gehorche, würde er für 5 Minuten im Bad eingeschlossen (das ist viel effektiver, als im eigenen Zimmer, das oft zum Entertainment-Center mutiert ist). Wenn er nicht eingeschlossen werden wolle, dürfe er für den Rest des Tages nicht mehr fernsehen. Wenn er auch damit nicht einverstanden sei, würden ihm weitere Privilegien entzogen.

Wenn er jedoch bei Schlag 15 gehorchen würde, gewänne er einen Punkt. Mit 10 Punkten würde er eine kleine Belohnung erhalten, z.B. ein Dessert nach dem Essen. (Das hat ihm seine Mutter bisher schon gegeben, doch jetzt musste er sich das verdienen). 

Nur wenige Wochen später konnte die Mutter berichten, dass ihr Sohn ihr in den meisten Fällen gehorchte und keine Wutanfälle mehr hatte. 

Wenn die Kinder sich an Respekt und Gehorsam gewöhnt haben, wird ein strukturiertes Punktesystem weniger nötig. Lob und Dankbarkeit sollten dann genügen.