Donnerstag, 9 Dezember, 2021

Freie Schulen – Eine Herausforderung für das staatliche Schulmonopol

Lesezeit: ≈ 2 Minuten

Winfried Schlaffke

Nummer: 50

5,00 €


Beim 25jährigen Jubiläum der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft hielt Professor Dr. Winfried Schlaffke, stellvertretender Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, den nunmehr als Heft 50 vorliegenden Vortrag, der sowohl die Intention der Fördergemeinschaft herausstellt als auch die pädagogische Entwicklung der letzten Jahre beleuchtet.

Er geht bei seinen Überlegungen von der auch heute noch wirksamen Zukunftskraft der Tradition aus, auf deren Grundlage sich die Schule ihren Bildungsaufgaben für die Herausforderungen der heutigen Zeit stellen muß. Gegenüber dem Bildungsmonopol des Staates reklamiert er die Stärkung der grundgesetzlich verankerten Privatschulfreiheit mit den Chancen und Möglichkeiten, die private Schulen in der gegenwärtigen Epoche haben. Aus der Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers weist er auf den Strukturwandel und den damit verbundenen besonderen Qualifikationsbedarf unserer Zeit hin, in der sowohl das Gelingen des persönlichen Lebens als auch die Zukunft der Gesamtgesellschaft besonders von der personalen und sozialen Kompetenz des Einzelnen abhängen.

In seiner vielbeachteten Rede über Veränderungen unseres Bildungssystems, die unabdingbar sind, wenn wir unsere Zukunft nicht verspielen wollen, ruft Bundespräsident Roman Herzog in ähnlicher Weise zu einer „neuen Kultur der Selbständigkeit und Verantwortung“ auf. Diese sei aber nur zu erreichen, wenn die individuelle Verschiedenheit der Menschen bei der Bildung wieder mehr beachtet, echte Leistung gefordert wird, Werte in allen Fächern vermittelt, die Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung gestützt werden, Bürokratie abgebaut und der Freiraum besser durch private Initiativen genutzt wird.

Auch die Chancen, die das Leben in einem geeinten Europa gerade der Jugend eröffnet, dürfen nicht leichtfertig verspielt werden. Die Schule muß heute -so Prof. Schlaffke- die dazu notwendigen Qualifikationen vermitteln: „Nicht der Staat, Behörden und Ämter haben das Leben des Bürgers zu steuern und zu gestalten, sondern ihm müssen vom Staat die Freiheit und die Chancen gesichert werden, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

Dieser Verantwortung für Erziehung und Bildung kann aber der mündige Bürger nur dort nachkommen, wo er sich selbst in die Verantwortung für Erziehung und Bildung hineingenommen weiß. Das fördert der Staat vor allem dann, wenn er möglichst gute Rahmenbedingungen für ein freies Schulwesen schafft und sich nicht als Monopolist aufspielt. Die Anwendung der Kriterien der freien Marktwirtschaft auf das Bildungswesen machen deutlich, daß vom freien Wettbewerb im Bildungsbereich die Eltern in ihrer Schulwahlfreiheit und die Schüler bei der Qualität der Bildung profitieren werden. 

Winfried Schlaffke, Professor Dr. phil., Jahrgang 1939; Studium der Philologie, Literaturwissenschaft, Philosophie, Pädagogik und Theologie in Hamburg; stellvertretender Direktor und Leiter der Hauptabteilung „Bildung und Gesellschaftswissenschaften“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Zahlreiche Veröffentlichungen zu bildungspolitischen und gesellschaftswissenschaftlichen Themen.

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