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Schlechte Laune kann ansteckend sein – sehr sogar. Wenn auch nicht durch Tröpfcheninfektion oder Aerosole, aber durch Gestik, Mimik und Worte.

Den Streit nicht nach Hause tragen

Es kommt vor, dass wir irgendwo Schwierigkeiten haben, z. B. bei der Arbeit oder mit einem Freund oder einer Freundin, und wenn wir nach Hause kommen, bleiben wir verhaftet in diesem unguten Gefühl, dieses Problem nicht gelöst zu haben oder auch einfach hilflos zu sein. Vielleicht gab es auch Streit an einer anderen Front, egal.

Oft gelingt es uns nicht, den Hebel umzulegen von „Problem außerhalb der Familie“ zu „Zuhause ist alles in Ordnung“. Wir tragen unser Problem von einem Ort zum anderen und beginnen dort neuen Streit. Ganz unbewusst und ungewollt. 

Alles geht einem auf die Nerven

Ungelöste Schwierigkeiten hindern uns oft daran, uns auf zuhause einzustellen: die Menschen, die dort leben; die Anliegen, die diese haben; die Aufgaben, die dort auf uns warten. Alles wird überschattet von dem Streit/Problem außerhalb der Familie. Gelingt es uns nicht, hier bewusst eine Trennung zu schaffen, übertragen wir unsere schlechte Laune auf diejenigen, die uns zuerst über den Weg laufen. Dann stören uns die vielen Kleinigkeiten, die sonst keine Rolle spielen: die Kinder sind zu laut, das Essen ist kalt, das Bier zu warm, das Spielzeug liegt im Flur, der Jogginghosen-Look der pubertierenden Tochter, etc.

Manchmal ist es als Ehepartner dann gar nicht so einfach zu erraten, woher die schlechte Laune kommt, da sie offensichtlich nicht zuhause begonnen hat. Der Ehepartner ärgert sich verständlicherweise über die schlechte Laune des anderen. Die Stimmung sinkt und der nächste Streit kann kommen. Die nächste Person ist mit der schlechten Laune infiziert. Je nach Temperament einer Person gibt es durchaus auch hier Superspreader, also Menschen, die es schaffen, in kürzester Zeit vielen Menschen die gute Laune zu verderben. 

Geduld kann helfen

Ob Superspreader oder „Einzelfall“, es bedarf viel Einfühlungsvermögen und Geschick des Ehepartners, den wahren Hintergrund für die schlechte Laune herauszufinden. Besonders eine Eigenschaft bzw. Haltung kann hier hilfreich sein: Nicht alles sofort auf sich persönlich zu beziehen, Geduld und Ruhe zu bewahren und abwarten können, bis der erste Schwall an schlechter Laune verflogen oder zumindest ausgesprochen ist.

Eine kurze Frage wie z. B.: „Wie war dein Tag heute?“, kann dem anderen Türen öffnen, um zu erzählen, was alles passiert ist und oft wird dann schon klar, woher die schlechte Stimmung kommt. Manche Menschen haben auch besondere Lebensbereiche, die sie sehr schnell selbst viel Kraft kosten und es ist gut, mit der Zeit diese Bereiche kennenzulernen und dann gezielt danach zu fragen.

Wir hatten so ein Thema im Familienleben. Eines unserer Kinder „schwingt“ immer sehr mit, wenn es im Freundeskreis kriselt, auch wenn er selbst gar nicht direkt betroffen ist. Eines Tages kam er nach Hause und war extrem reizbar, alle und alles ging ihm auf die Nerven und es brach ein Streit vom Zaun, der auf einer ganz anderen Ebene lag.

Es ging um seinen geplanten Auszug bzw. um die bisher erfolglose Wohnungssuche. Das für uns sichtbare Thema Wohnungssuche hatte also gar nichts mit dem Freundeskreis zu tun. Am Abend sprach ich ihn auf seinen Freundeskreis an, weil ich bereits festgestellt hatte, dass das für ihn ein sensibles Thema ist. Und plötzlich gab es wie einen kleinen Dammbruch und er erzählte mir, dass sich Freunde getrennt hatten etc…Nach dieser Aussprache hatte sich das Thema Frust bei der Wohnungssuche erst einmal erledigt und seine schlechte Laune beruhigte sich.

Die neuralgischen Punkte kennen

Erstellen Sie innerlich eine Landkarte Ihres Partners oder Ihrer Partnerin (und gerne auch für weitere Familienmitglieder!). Was sind die sensiblen Themen, die das Potenzial haben, Unsicherheit, schlechte Laune oder sogar Ängste auszulösen? Klopfen Sie bei Streitereien, die ganz unvermittelt vom Zaun zu brechen scheinen, diskret diese Themen ab und eröffnen Sie die Möglichkeit darüber zu reden.

Suchen Sie aber auch nach den Themen, die dem anderen guttun. Worüber spricht ihr Partner/ihre Partnerin gerne? Was ist ihm/ihr wichtig? Mit diesen Themen können Sie behutsam versuchen, die negativen Gedanken des anderen auf ein für ihn positives Terrain zu lenken und somit das belastende Gedankenkarussell zu unterbrechen.

4 Ratschläge gegen schlechte Laune

Sind wir selber von schlechter Laune befallen, sollten wir eine kurze Analyse durchführen:

  1. Was bereitet uns schlechte Laune (auch hier können wir die vordergründige und hintergründige Ebene betrachten)?
  2. Hat die Person, mit der ich gerade zu tun habe, wirklich etwas mit dem Thema zu tun? Kann Sie zur Lösung des Problems beitragen oder benutze ich sie nur als Blitzableiter?
  3. Sollten Sie feststellen, dass die Person nichts mit ihrem Problem zu tun hat, atmen Sie einige Male tief durch und verpacken ihr Problem in eine Gedankenschublade, die Sie an passender Stelle wieder öffnen können.
  4. Versuchen Sie zu lächeln.