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Welche Kinder sind robuster? Diejenigen, denen die Eltern ein Leben im Schongang ermöglichten oder diejenigen, welche reichlich Herausforderungen zu bestehen hatten.

Ursachen von Gewalt insgesamt

  • weil man körperlich oder geistig-seelisch unterfordert ist, „muss man“ irgendwie – meist unkontrolliert – in Aktion treten 
  • weil das Leben zu langweilig ist und Spaß machen soll:
    der ultimative Kick gegen die Tristesse des Alltäglichen
  • weil man sich nicht als dazu gehörend empfindet:
    um jeden Preis Aufmerksamkeit (Zuwendung) erregen wollen
  • weil Gewalt gezielt bagatellisiert oder verherrlicht wird: korrupte Menschen setzen Spiele und Medien ein, um so ihr Geschäft zu machen (‚Horror ist für mich der größte Spaß’)
  • weil politische oder religiöse Fundamentalisten dazu aufhetzen: ein ‚hehres’ Ziel soll verwirklicht werden, koste es was es wolle.

Einige der Folgen, wenn Kindern eine gute Erziehung vorenthalten wird

Jährlich steigt die Zahl an verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, welche dann häufig als Schulversager, Lernverweigerer, Ausbildungsabbrecher und Kriminelle offenkundig werden.

„Jahr für Jahr entlassen wir 80.000 Menschen ohne Schulabschluss in die Gesellschaft“

„Jahr für Jahr entlassen wir 80.000 Menschen ohne Schulabschluss in die Gesellschaft“, so Prof. Hurrelmann. Viele davon bleiben ohne Berufsausbildung. „Dies ist ein erschreckend großes Heer von Leuten, denen gesagt wurde: Wir brauchen euch nicht.“ Auch die Wirtschaftskrise verschlechterte die Zukunftsaussichten der Jugend. „Die Angst, nicht ins Erwachsenenleben eingelassen zu werden, könnte zu Protesten führen“, so Hurrelmann.

Ein überproportionaler Anteil von – vorwiegend männlichen – Jugendlichen ist an Einbruchs-Straftaten, Raub, Erpressung sowie Gewaltdelikten beteiligt. (In der JVA Siegburg sind wie in ganz NRW 97% der Jugendstraftäter männlich).

Eltern, Erzieherinnen bzw. Erzieher, Übungsleiter, Trainer und Lehrkräfte, welche sich in der Unterforderungs-Falle befinden, orientieren sich an folgendem Handlungsmuster: Da das Leben schwer und mühselig genug ist, lassen wir unsere Kinder lieber möglichst lange in einem Schonraum leben.

Aber die Alltags-Erfahrung lehrt: nach leicht kommt schwer, denn mit Nichtkönnen und Unfähigkeit lässt sich das Leben nicht meistern.

Würden Sie sich z.B. auf eine Feuerwehr-Truppe verlassen wollen, welche anstelle regelmäßiger Übungen sagen würde: Jeder Rettungseinsatz ist schwer genug, dann lasst uns doch lieber anstelle einer Trainingseinheit ruhig und gemütlich im Feuerwehr-Haus sitzen und gegen kommenden Brandgeruch jetzt schon mal ein Bierchen trinken.

Kinder, Jugendliche – alle Lebewesen – brauchen die Herausforderung, um wachsen zu können und die Erwachsenen brauchen diese, um nicht in Stillstand oder Rückschritt zu geraten!

Nicht ein Leben im Schongang, eine Un-Kultur der Verwöhnung, überfürsorgliche Eltern bzw. Erzieherinnen, unangemessene Lernmethoden in der Schule oder die Selbstverantwortung reduzierende Sozialsysteme, sondern der wieder neu entdeckte Leitsatz: ‚Durch Fordern fördern’ – eingebettet in wohlwollende und ermutigende Rahmenbedingungen – bietet die beste Ausgangsbasis für ein Heranwachsen zu Selbstverantwortung und Eigenständigkeit.

Denn unser Körper braucht die Anstrengung, um wachsen zu können, genauso wie unser Hirn ständig die Herausforderung braucht, um seine Leistungs-Fähigkeit zu erweitern bzw. fit zu bleiben. Und für jegliches Lernen gilt: Unterforderung – genauso wie Überforderung – sind die größten Motivationskiller.

Nur keine Forderung stellen, auf jeden Fall den Eindruck vermeiden, dass es im Leben auch anstrengend sein kann, das könnte unsere verwöhnten Gören und halbstarken Weichlinge nur animieren, aus Protest wirklich nicht erwachsen zu werden.
Vom französischen Philosophen Voltaire stammt der Satz: „Unser größter Feind ist die Langeweile.“ Die erzieherische Antwort darauf ist die wohlwollend-ermutigende Herausforderung. Kinder scheinen einen genetischen Code zu besitzen, sich an diesen Zielen zu orientieren. Würden sie nicht zu häufig gestoppt, könnten wir einen rasanten Schub in Richtung eigenständiger Welt-Aneignung bzw. kraftvolles Reagieren auf Herausforderungen beobachten.

Auch unser Hormonhaushalt funktioniert nach dem Grundmuster, indem das zielorientierte Erbringen von körperlicher oder geistiger Anstrengung den Botenstoff produziert, welcher das Glücksgefühl entstehen und uns zufrieden sein lässt.

Kindern nicht die Probleme stehlen

‚Wenn Kinder Aufgaben brauchen, um wachsen zu können’, so der Hirn- und Bindungsforscher Prof. Hüther, dann ist es die Aufgabe der Erwachsenen, dem Nachwuchs diese Herausforderungen zu ermöglichen anstatt sie ständig zu vereiteln.

Daher wird hier unterstrichen: ‚Wer Kindern die Probleme stiehlt’, sie ihrer Mündigkeit und Teilhabe-Chance beraubt, verhindert die Entwicklung von starken Persönlichkeiten. Je häufiger dies geschieht, um so umfangreicher wird die Bereitschaft und Fähigkeit reduziert, selbst die entsprechenden Handlungen vorzunehmen. So führt jede leicht gemachte Annehmlichkeit immer auch schrittweise in eine immer größere Abhängigkeit von solchen vordergründig fürsorglichen Menschen.

Denn jede unangemessene Fürsorge verhindert Selbstsorge! Sonst wird eine Anspruchshaltung in junge Menschen eingepflanzt, welche sich wie ein roter Faden durch das weitere Leben in Freundschaft, Partnerschaft, Beruf und Gesellschaft hindurchziehen wird. Die Devise wird dann sein: „Weshalb sollte ich mich anstrengen, wenn es sich auch so gut leben lässt?“
Wer also trotz dieser Erkenntnisse darauf setzt, ein Leben auf der leicht gemachten Annehmlichkeit’ oder ‘Bedürfnisbefriedigung ohne Eigenleistung’ aufzubauen, blockiert systematisch eine fähigkeitsorientierte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, die selbst für den eigenen Lebenserfolg zuständig sind. Denn

  • ohne Herausforderungen kein Wollen und Können,
  • ohne Kraft und Mut keine Tat,
  • ohne fähiges Handeln kein Erfolg,
  • ohne Erfolg keine Anerkennung und Zufriedenheit!

Wer also die Anstrengung meidet, fördert Versagen und Misslingen. So wird kein anerkannter Platz in der Gemeinschaft zu finden sein. Die damit einhergehende Unzufriedenheit wiederum ist die Haupt-Ursache von Streit, Entzweiung, Missgunst und Neid bis hin zu Raub, Erpressung und anderen massiven Gewaltattacken.



Auch Amokläufe zeigen die verheerenden Folgen fehlenden Eingebundenseins in Freundeskreise bzw. in die Gemeinschaft insgesamt.

Zum Abschluss einige Thesen

  • Wer sein Kind liebt, bewahrt es nicht vor Herausforderungen.
  • Nur selbst schwache und unsichere Menschen trauen einem Kind zu wenig zu.
  • Erlernte Hilflosigkeit und Entmutigung sind das Resultat einer jeglichen Unterforderung.
  • Ausbleibende Herausforderung macht körperlich und psychisch krank und äußert sich häufig als Aggression oder Depression.
  • Die Unterforderungs-Falle schafft Menschen, die alles wollen, wenig können und nichts einbringen, – kurz lebensuntüchtige und einsame Asoziale!

Denn jeder Erfolg basiert in der Regel zu 3% auf Inspiration und zu 97% auf Transpiration.

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Dr. Albert Wunsch
Dr. Albert Wunsch ist Psychologe und promovierter Erziehungswissenschaftler, Diplom Pädagoge und Diplom Sozialpädagoge. Bevor er 2004 eine Lehrtätigkeit an der Katholischen Hochschule NRW in Köln (Bereich Sozialwesen) begann, leitete er ca. 25 Jahre das Katholische Jugendamt in Neuss. Im Jahre 2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen / Neuss. Außerdem hat er seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf und arbeitet in eigener Praxis als Paar-, Erziehungs-, Lebens- und Konflikt-Berater sowie als Supervisor und Konflikt-Coach (DGSv). Er ist Vater von 2 Söhnen und Großvater von 3 Enkeltöchtern. Seine Bücher: Die Verwöhnungsfalle (auch in Korea und China erschienen), Abschied von der Spaßpädagogik, Boxenstopp für Paare und Mit mehr Selbst zum stabilen ICH - Resilienz als Basis der Persönlichkeitsbildung, lösten ein starkes Medienecho aus und machten ihn im deutschen Sprachbereich sehr bekannt.