Lesezeit: ≈ 3 Minuten

(Foto: Kinowelt)

Filmische Qualität:   5 / 5
Regie:John Carney
Darsteller:Glen Hansard, Markéta Irglová, Alaistair Foley, Kate Haugh, Senan Haugh, Darren Healy, Gerard Hendrick, Bill Hodnett, Geoff Minogue, Leslie Murphy
Land, Jahr:Irland 2006
Laufzeit:87 Minuten
Genre:Komödien/Liebeskomödien
Publikum:
Einschränkungen:
im Kino:seit 1/2008
Auf DVD:seit 7/2008

Jede Generation habe ihren eigenen Musikfilm, heißt es. Ob dies so stimmt, sei zwar dahingestellt. Für die neunziger Jahre trifft es freilich zu: Als Alan Parker im Jahre 1991 „The Commitments“ drehte, traf er offensichtlich den Nerv einer ganzen Generation. In Parkers musikalischer Erzählung über den Aufstieg und Fall einer Band in Dublin wirkte auch der irische Komponist Glen Hansard mit, der inzwischen mit seiner Band „The Frames“ zu den bekanntesten Musikern Irlands gehört.

Für den von Regisseur John Carney mit kleinem Budget gedrehten Musik- und Liebesfilm „Once“, der sowohl beim Dubliner Internationalen Filmfestival als auch beim renommierten Sundance Filmfestival 2007 den Publikumspreis gewann, schrieb Glen Hansard nicht nur die Songs, sondern übernahm auch die Hauptrolle.

Glen Hansard verkörpert den namenlosen Straßenmusikanten, der sich in Dublins Fußgängerzone die Seele aus dem Leib singt, während die meisten Passanten an ihm vorbeihetzen. Während er von der großen Musiker-Karriere träumt, muss er eigentlich seinem verwitweten Vater in einer kleinen Werkstatt Staubsauger reparieren helfen.

Eines Abends, als er eine seiner eigenen Kompositionen regelrecht hinausschreit, spricht ihn eine junge Frau an. Die ebenfalls Namenlose (Markéta Irglová) ist der einzige Mensch, der zu später Stunde dem Straßenmusiker noch zuhört. Es stellt sich heraus, dass sie aus Tschechien stammt und in Irland einen neuen Anfang sucht. In Irland schlägt sie sich zwar mit Gelegenheitsjobs durch, ihre wahre Leidenschaft ist aber das Klavierspielen, das ihr in ihrer Heimat ihr Vater beibrachte. Noch eine Gemeinsamkeit finden sie: Ihr Staubsauger sei kaputt, erzählt sie, weshalb sie sich für den nächsten Tag verabreden.

Im Hinterzimmer eines Instrumentengeschäfts spielen sie zum ersten Mal zusammen. Er lädt sie einfach ein, seinen eigenen Song auf dem Klavier zu begleiten. In einer der anrührendsten Szenen von „Once“ entdecken die beiden, dass sie musikalisch auf einer Wellenlänge liegen.

Sie verstehen sich auf Anhieb so gut, dass er sie dazu einlädt, ihn und „seine“, aus lauter Straßenmusikern zusammengestellte Band bei der Aufnahme eines „Demotapes“ in einem Tonstudio zu begleiten, mit dem er in London seine Musikerkarriere beginnen möchte – und wohin auch seine ehemalige Freundin gezogen ist. Aber auch sie weiß nicht so genau, wie es mit ihrer, alles andere als harmonisch verlaufenden, eigenen Liebesgeschichte weitergehen soll.

Mit Handkamera auf Video gedreht, lässt „Once“ den Zuschauer sehr nah an die Figuren herantreten. Dass hier mit einfachsten Mitteln gearbeitet wurde, ist „Once“ in fast jeder Einstellung anzumerken: Meistens filmt eine einzige Kamera in langen Einstellungen mit kaum merklichen Bewegungen, es wird hauptsächlich ohne künstliches Licht gedreht, in den Film werden Amateuraufnahmen eingebaut. John Carney und sein Kameramann Tim Fleming setzen allerdings auch einfache Methoden ein, um schöne Effekte hervorzubringen, wie das Filmen durch eine Glaswand, auf der sich der Verkehr spiegelt, oder eine Parallelmontage.

Regisseur und Drehbuchautor John Carney gelingt es, die Musik in den Film derart sinnvoll zu integrieren, dass sie Teil der Handlung, ja die heimliche Filmprotagonistin wird. Und trotzdem ist „Once“ nicht einfach eine Aneinanderreihung von Musikstücken. Denn die eigens für „Once“ komponierte Musik drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern treibt die Handlung voran. Eine Handlung, die sich indes den üblichen Klischees von „romantischen Komödien“ widersetzt.

Denn die Musik, die „ihn“ und „sie“ zueinander nahe bringt, gibt ihnen wiederum Mut, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, die erlittenen Verletzungen zu heilen. Dadurch, dass sich „Once“ jeglicher gekünstelter Inszenierung verweigert, lässt der Film wahrhaftige Figuren zum Vorschein kommen: Die zum Drehzeitpunkt noch nicht 18-jährige Markéta Irglová gestaltet ihre Figur mit einer Mischung aus Naivität und innerer Stärke, die nicht nur den Romantiker in rauer Schale Glen Hansard in ihren Bann zieht.

Ohne in Rührseligkeit zu verfallen, eröffnet dieser „kleine“ Film aber auch einen wahrhaftigen Blick auf allgemein menschliche Fragen, die in so genannten romantischen Komödien allzu oft banalisiert werden: Freundschaft und eheliche Treue, die Mutterschaft, die Verantwortung für übernommene Verpflichtungen – ein wirkliches Filmjuwel.