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Filmische Qualität:   2 / 5
Regie:Nathan Grossman
Darsteller:
Land, Jahr:Deutschland 2020
Laufzeit:97 Minuten
Genre:
Publikum:Erwachsene
Einschränkungen:Unmoralische Grundidee
im Kino:10/2020

Atlantischer Ozean im August 2019. Die inzwischen für ihren „Schulstreik für das Klima“ weltweit bekannte, damals 16-jährige Greta Thunberg überquert den Atlantik auf Einladung eines deutschen Seglers auf dessen Segelyacht, um am UN-Klimagipfel in New York im September 2019 teilzunehmen. An Bord sind nicht nur die zwei Segler und Gretas Vater Svante Thunberg, sondern auch Dokumentarfilmer Nathan Grossmann, der den Beginn der Atlantik-Überquerung an den Anfang seiner Dokumentation „I Am Greta“ setzt.

Ist es verständlich, dass Grossmann nach dem monatelangen Hype um den Schulstreik beim Törn mit seiner Kamera dabei sein wollte, so macht allerdings stutzig, warum – wie der Film dann zeigt – Grossmann beim ersten öffentlichen Auftritt Gretas vor dem Schwedischen Reichstag dabei war. Der Filmemacher führt dazu aus, er habe von einem Freund, der die Familie Thunberg kannte, davon erfahren. „Wir blieben im Hintergrund und dachten, wir könnten ein, zwei Tage filmen und gucken, was passiert.“

Die Reaktionen der Passanten hält Grossmann in „I Am Greta“ fest: Einige werden auf das sitzende Mädchen aufmerksam und stellen ihr Fragen. Entscheidend ist aber, dass der Sitzstreik von Anfang an mediale Verbreitung findet. So ist in dem Film zu sehen, wie Greta Thunberg von Kamerateams interviewt wird. Nachdem sie entscheidet, den Schulstreik jeden Freitag fortzuführen, weitet sich der Protest auf andere Teile Schwedens, aber auch auf Finnland und Dänemark aus. Grossmann: Dann habe er Greta gesagt, „ich wolle mit ihr die gesamte Zeit arbeiten und sehen, ob es ein Film über die Bewegung und über sie wird.“

„I Am Greta“ berichtet von verschiedenen Auftritten, angefangen bei der UN-Klimakonferenz in Katowice im Dezember 2018, wo das Mädchen auch mit UN-Generalsekretär António Guterres zusammentrifft. Danach überschlagen sich die Ereignisse bis zur Massenhysterie bei Gretas Erscheinen auf Protestveranstaltungen. Nathan Grossmann protokolliert die Auftritte, um „ein Porträt dieses verrückten Jahres zu drehen, das sich wahrhaftig und echt für sie anfühlte“, so der Filmemacher selbst.

Dadurch ist „I Am Greta“ freilich ein überaus einseitiger Film. Der Zuschauer sieht etwa, wie sie in verschiedenen internationalen Foren den Politikern „die Leviten liest“, manchmal mit recht unfreundlichen Worten, etwa beim UN-Klimagipfel im September 2019 in einer „Wie könnt Ihr es wagen“ überschriebenen Rede: Politiker hätten ihr mit „ihren leeren Worten“ ihre „Träume“ und ihre „Kindheit gestohlen“. Grossmann zeigt allerdings nicht, was Politiker – oder Wissenschaftler – von ihren Appellen halten. 

Bezeichnend ist indes eine Szene des Films: Als sie im Februar 2019 in Brüssel bei einer EU-Konferenz zur Zukunft Europas gesprochen hat, setzt sie sich, um die Rede von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu hören. Da er auf Französisch spricht, setzt Greta Thunberg Kopfhörer auf, um die Übersetzung der Rede zu hören. Doch nach wenigen Augenblicken setzt die kleine Schwedin sie mit offen verärgertem Gesichtsausdruck wieder ab. Sie hat wohl nicht damit gerechnet, dass sich Juncker von ihrer emotional geladenen Rede nicht beeindrucken lässt. Dass der (damalige) EU-Kommissionspräsident darauf hinweist, dass Europa viele andere Probleme habe, gefällt ihr offenkundig genauso wenig wie Junckers Hinweis auf die hohen EU-Ausgaben der letzten Jahrzehnte für den Umweltschutz. Da dies genau den Kern von Thunbergs Vorwurf trifft – Politiker hätten „tatenlos“ zugeschaut -, zeigt sie sich äußerst übellaunig. 

Allerdings ist dies lediglich ein kleiner „Schönheitsfehler“ in einem Film, der kräftig an der „Ikonisierung“ der Greta Thunberg arbeitet – ohne sonst die leiseste kritische Stimme zuzulassen.