Bild: Der rot angestrahlte Fuldaer Dom
Jedes Jahr, am vorletzten Mittwoch im November, ist „Red Wednesday“, ein Aktions- oder Gedenktag für verfolgte Christen. An diesem Tag werden weltweit Kirchengebäude in vielen Gemeinden – und manchmal auch große Kathedralen – in den Abendstunden rot angestrahlt. Zum ersten Mal geschah das im Jahre 2015 in Rio de Janeiro, wo die berühmte Christus-Statue über der Stadt, der „Cristo Redentor“ (Christus Erlöser), entsprechend beleuchtet wurde.
Christenverfolgungen auf Höchststand
Die Farbe Rot ist eine sinnfällige Erinnerung an des Blut der Märtyrer, und das ist leider ein hoch aktuelles Thema. Wahrscheinlich wurden niemals in den letzten zweitausend Jahren so viele Christen gleichzeitig verfolgt, bedrängt und diskriminiert wie in unserer Gegenwart, mittlerweile auf allen Kontinenten. Christen aller Konfessionen haben die zweifelhafte Ehre, auf sämtlichen Verfolgungs-Indices internationaler Organisationen und Hilfswerke stets ganz oben zu erscheinen – wenn sie denn statistisch erfasst werden.
Geringes öffentliches Interesse
Die Wahrnehmung dieser erschreckenden Tatsachen ist seit jeher schwach; amtliche Reaktionen bleiben in aller Regel lustlos und auf das Nötigste beschränkt, die Öffentlichkeit ist schlecht informiert und deshalb eher gleichgültig. Auch unter Menschenrechtsaktivisten spricht man nicht gern über Christenverfolgung; wenn überhaupt, dann kommt dieses Thema nur in einem weiteren Kontext vor, wenn über Religionsfreiheit im Allgemeinen gesprochen wird. Selbst in kirchlichen Kreisen ist das zuweilen so, wovon man sich mit einer kurzen Recherche auf den Homepages von EKD und Deutscher Bischofskonferenz überzeugen kann.
Diskrete Hilfe
Gleichzeitig kann kein Zweifel bestehen, dass kirchliche Hilfswerke viel Gutes tun und dabei auch leidenden Glaubensbrüdern und Schwestern regelmäßig substanzielle Hilfe leisten. In der Hinsicht läuft niemand den Kirchen den Rang ab. Aber Ross und Reiter zu nennen, wenn es um Christenverfolger geht? Da hat man wohl Bedenken. Um die Verfolgten nicht zusätzlich zu gefährden? Das wäre eine plausible Erklärung, die nicht ohne historisches Vorbild ist. Oder ist es einfach eine Art unterdrückter Kopfscheu, gegenüber einer veröffentlichten Meinung, die Christen nicht für schutzwürdig hält?
Zeichen setzen für Verfolgte
In jedem Fall ist es angesichts der, gelinde gesagt, verhaltenen Wahrnehmung des Leidens verfolgter Christen wirklich angemessen, am Ende des Kirchenjahres ein Zeichen zu setzen, der Opfer im Gebet zu gedenken, aber ihr Leiden auch öffentlich sichtbar zu machen.
Am Mittwoch vor dem Christkönigsfest ist es wieder soweit. Auf der Webseite von „Kirche in Not“ kann man eine Liste von Gemeinden finden, die dabei mitmachen. Von den ca. 21.000 katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland nehmen nur ein paar hundert daran teil. Sind die anderen nicht interessiert? Man darf vermuten, dass viele einfach nichts von der Sache wissen, denn eine Aktion gegen Christenverfolgung ist für die meisten deutschen Medien ohne besonderen Nachrichtenwert.
Mehr Sichtbarkeit
Daran wird sich nur etwas ändern, wenn Christen in Deutschland, die zwar zunehmend bedrängt und auch schon diskriminiert werden, aber nicht um Leib und Leben fürchten müssen, sich dafür einsetzen – in ihren Gemeinden, im Freundes- und Familienkreis. Einfach mal darüber sprechen, Informationen zugänglich machen, nicht wegsehen.
Auch staatliche Einrichtungen könnten sich natürlich an der Aktion „Red Wednesday“ beteiligen, Landesparlamente, oberste Bundesbehörden, womöglich der Deutsche Bundestag. Vielfach werden heutzutage ja neben staatlichen Insignien auch allerlei gesellschaftspolitische Symbole gezeigt, bunte Fahnen vor allem. Und – wer weiß – vielleicht schreiben einmal so viele Bürger an ihre Abgeordneten, Bürgermeister und sonstigen Funktionsträger, dass eines Tages nicht nur Kirchen, sondern auch staatliche Einrichtungen auf diese Art Solidarität mit den Verfolgten zeigen.
